Depression und Alkohol – Alkohol verstärkt Depressionen

Depression und Alkohol passen nicht zusammen, so sagt man. Warum das so ist, schauen wir uns in diesem Artikel an.

Depression und Alkohol – Alkohol verstärkt Depressionen

Die meisten Erwachsenen in Deutschland und auch vielen anderen Teilen der Welt trinken in unterschiedlicher Regelmäßigkeit Alkohol. Es gehört in vielen Bereichen zum gesellschaftlich akzeptablen oder sogar erwarteten Verhalten. Mit Freunden bei einem Bier abhängen, auf der Silvesterfeier mit einem Gläschen Sekt anstoßen, das berühmte Feierabendbier, … man kann sich die Welt und Gesellschaft nur schwer ohne den Alkohol vorstellen.

Alkohol kann entspannen. Es kann einen für einen Moment, den Stress des Alltags vergessen lassen. Es kann dem schüchternen Menschen die Hemmung nehmen, einen potenziellen Partner anzusprechen.

Gleichzeitig wissen fast alle Menschen, dass Alkohol ein Gift ist. Nach ein oder anderem Gläschen mehr wird die Aussprache ungenau, man beginnt zu lallen, der Gang wird schwankend, man macht und sagt eventuell auf einmal Dinge, die man so nicht sagen oder tun würde, und wenn man es übertreibt, geht es einem, je nach Alter, die nächstens ein oder zwei Tage hundeelend. Und für einen Teil der Menschheit wird Alkohol zum regelmäßigen oder einzigen Problembekämpfer und schließlich zur Sucht.

Für Menschen mit Depressionen ist Alkohol ungleich "giftiger", denn einerseits verstärkt Alkohol Depressionen, andererseits sind Menschen mit Depressionen auch anfälliger dafür, mehr zu trinken, als es ihrem Körper und ihrer Psyche zuträglich ist.

Wie wirkt Alkohol?

Alkohol wirkt sich direkt auf den Neurotransmitter-Haushalt im Körper aus. Neurotransmitter sind chemische Botenstoffe, die Signale im ganzen Körper übertragen, die Gedankenprozesse, Verhalten und Emotionen steuern. Sie sind letztlich die „Sprache“, in der unsere Nervenzellen miteinander kommunizieren. Oder wie Wikipedia es ausdrückt „Neurotransmitter sind Botenstoffe von Nervenzellen, mit denen die (präsynaptischen) elektrischen Signale eines Neurons an einer Synapse in chemische Signale umgebildet werden, die bei der nachgeordneten Zelle wieder (postsynaptische) elektrische Signale hervorrufen können.“

Dabei kann man zwei große Gruppen unterscheiden: Solche, die stimulierend wirkend, und solche, die hemmend wirken, und Alkohol wirkt auf beide Gruppen.

Ein Beispiel für einen stimulierenden Neurotransmitter ist Glutamat, das bei der Bewegungssteuerung, Sinneswahrnehmung und die Funktion des Gedächtnis eine wichtige Rolle spielt. Alkohol unterdrückt die Freisetzung von Glutamat, was zu einer Verlangsamung der Kommunikation in den Nervenbahnen deines Gehirns führt.

Eine Art Gegenspieler zum Glutamat ist das GABA, das die Erregbarkeit von Nervenzellen herabsenkt, und von dem man annimmt, dass es eine entscheidende Rolle bei der Regulierung des gesamten Neurotransmitterhaushalts spielt. GABA ist schlicht gesagt ein natürliches Beruhigungsmittel.

Drogen wie Xanax und Valium und andere Benzodiazopene erhöhen die GABA-Produktion im Gehirn, was zu einer Sedierung führt. Alkohol hat einen ähnlichen Effekt, indem es die Wirkung von GABA verstärkt. Dies ist übrigens ein Grund, warum man bei der Einnahme von Benzodiazopenen keinen Alkohol trinken sollte, da die Wirkung dieser Medikamente verstärkt wird und im schlimmsten Fall Herzschlag und Atmung auf eine gefährliches Niveau herabgesenkt werden können.

Der Effekt davon, dass Glutamat unterdrückt und GABA gefördert wird, zeigt sich in den typischen Trunkenheitssymptomen: Sprache, Gedanken und Bewegung werden verlangsamt und ungenau. Je mehr du trinkst, desto unkontrollierter und in gewissem Sinne dümmer wirst du.

Alkohol und Dopamin und Depressionen

Neben den genannten Effekten hat Alkohol auch einen Einfluss auf das Dopamin, das Glückshormon, wie es genannt wird. Dabei ist dieser Neurotransmitter eher nicht direkt dafür zuständig, ob wir uns glücklich fühlen, sondern dafür da, Motivation zu regulieren. Dopamin führt dazu, dass wir uns etwas merken, das sich gut anfühlt, und wie wir dahin gekommen sind. Es motiviert uns, es wieder zu tun. Dopamin sollte man vielleicht eher das Vorfreude-Hormon nennen.

Beim Genuss alkoholischer Getränke wird vermehrt Dopamin ausgeschüttet. Auf eine gewisse Weise täuscht uns das vor, dass wir glücklich seien, und es führt auch dazu, dass wir mehr trinken wollen. Zur gleichen Zeit werden andere chemische Prozesse im Gehirn verändert, die dazu führen, dass depressive Stimmung unterdrückt wird. Im betrunkenen Zustand fühlst du dich vielleicht tatsächlich glücklich, aber das hat seinen Preis.

Eine Überreizung des dopaminergen Systems kann zur Folge haben, dass die daran beteiligten Rezeptoren unempfindlicher werden und/oder die Menge an verfügbarem Dopamin verringert wird. Das Resultat ist Antriebslosigkeit, Lustlosigkeit, Probleme sich zu konzentrieren und letztlich auch die Einschränkung der Fähigkeit, glücklich zu sein. Eine weitere Gefahr besteht darin, dass man auf der Suche nach der Wiederholung des Dopamin-Kicks immer extremere Maßnahmen ergreift. Man stumpft ab und muss für den gleichen Effekt immer öfter, immer mehr trinken oder andere ungesunde Aktivitäten ausführen, z. B. exzessiven Sex. Wer sich nicht völlig unter Kontrolle hat, was leider ein häufiges Problem bei Depressionen ist, der kann sehr schnell die Freude an den Kleinigkeiten des Lebens verlieren und sich in einem immer weiter aufschaukelnden Exzess an Dopamin-Kicks verlieren.

Hinzu kommen die zunehmenden Momente nach dem Rausch, in denen man im gewissen Sinne in ein Loch fällt. Es ist nicht unüblich für einen depressiven Menschen nach einer durchzechten Nacht in eine zeitweise schwere Depression oder Melancholie zu verfallen. Hier gerät etwas aus dem Gleichgewicht, das sowieso schon nicht so funktioniert, wie es am gesündesten für das seelische Wohlbefinden wäre. Kommt dann noch hinzu, dass im Moment der betrunkenen Enthemmung Dinge gesagt oder getan wurden, die man so nicht machen würde, kann sehr schnell das depressive Gedankenkarussell rund um Scham- und Schuld-Gefühle in Gang gesetzt werden.  

Depression und Alkohol passen einfach nicht zusammen. Je öfter du betrunken bist, desto schwerer ist es für dich, nüchtern glücklich zu sein. Hier und da mal ein Glas Rotwein, das schadet nicht, ist eventuell sogar gesund. Aber mehr als das greif viel zu sehr in den Neurotransmitter-Haushalt eines Menschen und ein depressiver Mensch sollte seine Neurotransmitter hüten wie sein liebstes Kind.

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