Hilft Kaffee bei Depressionen?

Jüngere Studien legen nahe, dass regelmäßiger Kaffee-Konsum eine positive Wirkung auf Depressionen hat.

Hilft Kaffee bei Depressionen?

Kaffee ist eine Alltagsdroge, von der man nicht einmal wahrnimmt, dass sie eine Droge ist, so integriert in unseren Alltag ist sie. Morgens aufstehen und eine Tasse Kaffee aufbrühen gehört für einen Großteil der Bevölkerung zum morgendlichen Ritual und nicht wenige sagen von sich, dass sie ohne ihr Koffein erst gar nicht in die Gänge kämen. Kaffee bzw. das Koffein darin ist ein Aufputschmittel. Es wirkt stimulierend auf das zentrale Nervensystem, erhöht den Herzschlag, Antrieb und die Aufmerksamkeit – der Effekt, warum so viele Menschen Kaffee trinken. Es hat auch ein sehr geringes Suchtpotenzial. Es ist möglich, eine Überdosis an Koffein zu sich nehmen, in der Praxis sind aber dann meist extreme Fälle, in denen oft Energy-Drinks oder Koffeintabletten konsumiert wurden oder in denen absurde Mengen an Kaffee getrunken wurden. Gleichwohl ist Wirkungsweise und Toleranz von Mensch zu Mensch verschieden. Im Durchschnitt sagt man, dass man nicht mehr als 300 mg Koffein am Tag konsumieren sollte, um sich nicht der Gefahr einer Koffeinvergiftung auszusetzen. Das entspricht etwa drei bis vier mittelgroßen Tassen Filterkaffee.

Auf die Frage, ob Kaffee bzw. Koffein gut oder schlecht für Menschen mit Depressionen sei, antwortet die Wissenschaft mit einem entschiedenen: Es kommt darauf an.

Kaffee hilft bei Depressionen

Eine an der chinesischen Qingdao-Unversität durchgeführte Metanalyse mehrerer Studien zum Einfluss von Kaffee oder Koffein auf Depressionen mit insgesamt über 33000 Teilnehmern kam zu dem Resultat, dass da sehr wohl ein positiver Einfluss besteht. Das Risiko für die Ausprägung einer Depression korrelierte mit der konsumierten Menge. Pro Tasse Kaffee am Tag sank das Risiko um ungefähr acht Prozent mit signifikanten Resultaten bei einer Koffeinaufnahme zwischen 68 mg und 509 mg pro Tag.

Die am häufigsten angeführte Erklärung für diesen Effekt führt die antioxidierende und entzündungshemmende Wirkung verschiedener Chemikalien wie Nikotinsäure oder verschiedener Gerbstoffe im Kaffee an. Hier besteht ein interessanter Zusammenhang zu neueren Theorien, nach denen eine Depression zumindest teilweise Resultat eines aus dem Ruder laufenden Entzündungsprozesses im Körper ist. So fanden Forscher in einer zwischen 2007 und 2012 durchgeführten Studie mit über 14000 Menschen bei Teilnehmern mit Depressionen bis zu 46% erhöhte Werte für einen bestimmten Marker im Blut, der mit Entzündungsprozessen assoziiert ist. Gleichzeitig weiß man, dass gesunde Ernährung und Verzicht auf industriell gefertigte und entzündungsfördernde Lebensmittel sich positiv auf Depressionen auswirkt.

Ähnliche positive, wenn auch nicht so sehr ausgeprägte Resultate kann man auch bei Tee beobachten. Insbesondere bei grünem Tee, der für seine antioxidierende Wirkung bekannt ist.

Studien legen zudem nahe, dass verschiedene Inhaltsstoffe der Kaffeefrucht, sich positive auf das Niveau des Wachstumfaktors BDNF haben, einem Protein, das eine zentrale Rolle in der Neubildung von Nervenzellen und der Bildung von Verbindungen zwischen Nervenzellen in bestimmten Bereichen des Gehirns spielt, der sogenannten Neurogenese. Bei depressiven und suizidalen Menschen kann in der Tat ein verringertes BDNF-Niveau beobachtet werden, während verschiedene Klassen von antidepressiven Medikamenten oder auch Maßnahmen wie regelmäßiger Sport, von denen man weiß, dass sie einen antidepressiven Effekt haben, das BDNF-Niveau erhöhen. Die bisher noch nicht durch Versuche an Menschen ausreichend belegte Hypothese ist, dass durch Erhöhung des BDNF-Niveaus die Anfälligkeit für Angsstörungen und depressive Episoden gedämpft werden kann.

Kaffee verschlimmert Depressionen

Menschen mit Depressionen, gleich welcher Art, haben auch häufig mit einer mehr oder weniger ausgeprägten Angststörung zu kämpfen. Hier liegt das Problem mit einem Aufputschmittel wie Kaffee. Wenn man sowieso schon nervös und angespannt ist und einem das Herz in der Brust auf Hochtouren pocht, dann verstärkt Kaffee dieses Gefühl nur. Anstatt sich zu beruhigen, schüttet man nur Benzin ins Feuer.

Koffeinkonsum kann die Menge an Stresshormonen im Blut wie Kortisol oder Adrenalin nahezu verdoppeln. Es unterdrückt den Neurotransmitter GABA, der eine wichtige Rolle bei der Regulierung der Signalübertragung im Gehirn spielt, und dessen Funktion als beruhigend beschrieben wird. Zudem hat Koffein eine stimulierende Wirkung auf das Dopamin-System im Gehirn, was unter Umständen wiederum zu einem abschwächenden Effekt im Serotonin-Haushalt führen kann.

Die Meinung, dass Menschen mit einer Angststörung generell von Kaffee Abstand halten sollten, hat sich mittlerweile relativiert. Vielmehr sollte man sich selbst sehr genau beobachten und für sich selbst herausfinden, ob Angstzustände verstärkt werden oder nicht. Zudem kann in Betracht gezogen werden, einfach entkoffeinierten Kaffee oder Lebensmittel wie Heidelbeeren für die tägliche Dosis an Antioxidantien zu konsumieren.

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