Helfen Tryptophan und 5-HTP bei Depressionen und Angststörungen?

Tryptophan und 5-HTP finden als mehr oder weniger natürliche rezeptfreie Stimmungsaufheller Anwendung. Doch wie wirksam sind sie wirklich?

Helfen Tryptophan und 5-HTP bei Depressionen und Angststörungen?

Gängigen Theorien zufolge gehen Depressionen und generalisierte Angststörung einher mit einem Mangel am Neurotransmitter Serotonin im Gehirn. Inwiefern der Mangel an Serotonin nun Ursache oder Symptom ist, gilt als umstritten. Gleichzeitig zeigen aber Medikamente, die auf eine Erhöhung des verfügbaren Serotonins im Gehirn abzielen, sogenannte Serotonin-Wiederaufnahmehemmer wie Sertralin, zumindest bei einem Teil der Patienten gute Resultate bei der Behandlung schwererer Depressionen, Angststörungen und ebenfalls von Zwangsstörungen.

Auch Naturheilmittel wie Johanniskraut wirken auf den Serotonin-Haushalt, wenngleich nicht nur isoliert auf den. Allgemein hat sich die Meinung etabliert, dass, einfach gesagt, mehr Serotonin dabei hilft, Depressionen und Angststörungen zu überwinden.

Wie wirken Tryptophan und 5-HTP?

Da Serotonin selbst nicht die Blut-Hirn-Schranke überwinden kann, einen Schutzmechanismus, der das Eindringen von schädlichen Stoffen ins Gehirn verhindern soll, gibt es drei Möglichkeiten, den Serotoninspiegel zu erhöhen:

  1. Erhöhung der Effektivität des verfügbaren Serotonins durch Wiederaufnahmehemmer
  2. Erhöhung der Zufuhr der Vorstoffe Tryptophan und 5-HTP zur Serotoninsynthese
  3. Verbesserung der Umwandlung von Tryptophan und 5-HTP zu Serotonin

Weg 1: Erhöhung der Effektivität des verfügbaren Serotonins durch Wiederaufnahmehemmer

Der erste Weg geht über die sogenannten Serotonin-Wiederaufnahmehemmer. Das sind Medikamente, die im gewissen Sinne den Wirkungsgrad des verfügbaren Serotonins im Gehirn erhöhen, aber nicht die Menge.

Das funktioniert wie folgt: Nervenzellen im Gehirn stehen über sogenannte Synapsen in Verbindung. In diesen Verbindungsstellen befindet sich ein kleiner Spalt, genannt synaptischer Spalt. Will eine Zelle mit einer anderen Zelle kommunizieren, injiziert sie chemische Botenstoffe in diesen Spalt, genannt Neurotransmitter. Die andere Zelle hat Rezeptoren, die den Botenstoff erkennen und daraufhin durch Veränderungen elektrischer Ladungen das Signal weiterleiten.

Serotonin ist so ein Botenstoff. Nach einer gewissen Zeit zerfällt ein kleinerer Teil des Serotonins, während der größere Teil wieder von der Nervenzelle aufgenommen und aus dem synaptischen Spalt entfernt wird.

Eine Wiederaufnahmehemmer hemmt diesen Schritt. Das Serotonin verbleibt länger im synaptischen Spalt und sorgt dafür insgesamt für stärkere Signale und mehr Aktivität oder schlichtweg Kommunikation zwischen den beteiligten Nervenzellen, die Serotonin als Botenstoff verwenden.

Weg 2: Erhöhung der Zufuhr der Vorstoffe Tryptophan und 5-HTP zur Serotoninsynthese

Der zweite Weg zur Erhöhung des Serotoninspiegels versucht tatsächlich, die Menge an verfügbarem Serotonin zu erhöhen. Da Serotonin, wie gesagt, nicht direkt durch die Nahrung aufgenommen und dem Gehirn zur Verfügung gestellt werden kann, setzt man hier bei den Vorstufen des Serotonins an: L-Tryptophan und 5-HTP (5-Hydroxytryptophan).

Die Umwandlungskette stellt sich vereinfacht wie folgt dar:

  • Durch die Nahrung wird L-Tryptophan aufgenommen. Es findet sich in vielerlei Lebensmitteln, z. B. in Eiern oder Putenfleisch.
  • Das Tryptophan wird im Körper unter anderem in 5-HTP umgewandelt.
  • Das 5-HTP wird schließlich zu Serotonin umgewandelt, das dann wiederum auch für die Synthese von Melatonin verwendet wird, das für einen gesunden Schlafrhythmus notwendig ist.

Tryptophan und 5-HTP können die Blut-Hirn-Schranke überwinden und daher kann durch die Einnahme von entsprechenden Nahrungsergänzungsmitteln der Serotoninspiegel beeinflusst werden.

Weg 3: Verbesserung der Umwandlung von Tryptophan und 5-HTP zu Serotonin

Um Tryptophan in 5-HTP und 5-HTP in Serotonin umzuwandeln bedarf es der Anwesenheit weiterer Stoffe im Körper. Zudem ist zu beachten, dass Tryptophan nicht nur für die Herstellung von 5-HTP sondern auch für andere Stoffe notwendig ist, z.B. Nikotinsäure.

Eine Verbesserung der Umwandlungsprozesse von Tryptophan hin zu 5-HTP und Serotonin kann erzielt werden durch eine ausreichende Zufuhr von Eisen, Magnesium, Vitamin B12, Vitamin B6, Vitamin B11 und Vitamin B3.

Helfen Tryptophan und 5-HTP?

Jain. Viele Studien haben gezeigt, dass eine erhöhte Zufuhr von L-Tryptophan und 5-HTP zu einer Stimmungsverbesserung führen können und bei der Behandlung von milderen Formen von Depressionen und Angststörungen wirksam sind.

Gleichzeitig muss jedoch darauf geachtet werden, wie diese Stoffe aufgenommen werden. Aktueller Stand der Forschung ist, dass eine erhöhte Zufuhr von Tryptophan durch die Nahrung wohl eher nicht zu einer Erhöhung des Serotoninspiegels im Gehirn führt. Grund dafür ist, dass es, bildlich gesprochen, bei der Aufnahme durch die Nahrung mit anderen Aminosäuren um den Zutritt zum Gehirn kämpfen muss, die zudem in größerer Menge vorkommen. Das führt dazu, dass Tryptophan ins Hintertreffen gerät und letztlich häufig an der Blut-Hirn-Schranke hinten in der Warteschlange steht.

In Studien, die klare positive Effekte aufzeigen konnten, werden Tryptophan und 5-HTP isoliert als Nahrungsergänzungsmittel gegeben und nicht in Form von Nahrungsmitteln. Wenn du also einen Selbstversuch starten möchtest, dann besorge dir ein Nahrungsergänzungsmittel und nehme es im zeitlichen Abstand zu deinen täglichen Mahlzeiten ein.

Tryptophan oder 5-HTP – Was ist besser?

Je nach Land sind beide Stoffe rezeptfrei in Form von Nahrungsergänzungsmitteln erhältlich. In Deutschland wird Tryptophan häufig als natürliche Schlafhilfe vertrieben, während 5-HTP hier nur als pflanzlicher Extrakt aus der afrikanischen Schwarzbohne erhältlich ist.

Während Studien zur besseren Wirksamkeit des ein oder anderen Stoffes nicht wirklich klare Aussagen treffen, so deutet anekdotisches Wissen zumindest darauf hin, dass 5-HTP eine bessere Verträglichkeit besitzt. Tryptophan ist an vielen Prozessen beteiligt und nur ein Teil geht in die Serotoninproduktion im Gehirn. Zudem hat Tryptophan das beschriebene Problem, dass es in Konkurrenz mit anderen Stoffen steht, wenn es um die Überwindung der Blut-Hirn-Schranke geht.

Das führt dazu, dass man mehr Tryptophan zu sich nehmen muss, um die gleiche Wirkung wie 5-HTP zu erzielen.

Nebenwirkungen von Tryptophan und 5-HTP

Häufig beklagte Nebenwirkung einer erhöhten Tryptophan- oder 5-HTP-Aufnahme sind Verdauungsproblemen wie Durchfall und Blähungen. Zudem sind bekannte Nebenwirkungen von Tryptophan und 5-HTP:

  • Schwindel
  • Müdigkeit
  • Übelkeit
  • Kopfschmerzen
  • Mundtrockenheit
  • Sodbrennen
  • Bauchschmerzen

Grundsätzlich sollte vor der Einnahme beiden Stoffe Rücksprache mit einem Arzt gehalten werden. Solltest du schwanger sein, dann ist von einer Einnahme eher abzuraten. Ebenso solltest du die Finger von diesen Stoffen lassen, wenn du ein Medikament einnimmst, das auf den Neurotransmitterhaushalt einwirkt, z. B. Serotonin-Wiederaufnahmehemmer. Hier ist die Gefahr einer (lebens-)gefährlichen Wechselwirkung gegeben.