Big Five: Das 5-Faktoren-Modell der Persönlichkeit

Das 5-Faktoren-Modell Big Five ist ein Modell zur Beschreibung der Persönlichkeit eines Menschen.

Big Five: Das 5-Faktoren-Modell der Persönlichkeit

Das Fünf-Faktoren-Modell (Big Five) ist ein Modell zur Beschreibung von Persönlichkeitseigenschaften und bis zu einem gewissen Grade auch Persönlichkeitstypen. Es geht davon aus, dass die Persönlichkeit eines Menschen grob durch fünf Aspekte oder auch Dimensionen beschreiben lässt:

  • Offenheit
  • Gewissenhaftigkeit
  • Extraversion
  • Verträglichkeit
  • Neurotizismus

Das Modell ist heute als eines der Standardmodelle zur Persönlichkeitsbeschreibung etabliert und wird vielfach in der wissenschaftlichen Forschung angewendet, aber auch zum Beispiel; und das nicht ohne Kritik; in der freien Wirtschaft bei der Bewertung von Bewerbern für eine offene Stelle.

Die fünf Persönlichkeitseigenschaften des Big Five

Bei der Auseinandersetzung mit dem Big Five ist wichtig, dass man sich zumindest teilweise davon löst, was diese Begriffe in der Alltagssprache bedeuten bzw. welche Wertung bei diesen Begriffen mitschwingt. Zum Beispiel ist es heutzutage sozial erwünscht, dass man offen und extravertiert ist. Im Kontext des Fünf-Faktoren-Modells aber ist eine geringe Offenheit oder Introvertiertheit nichts Negatives, ebenso wie extreme Offenheit und Extraversion zu Problemen führen können.

Offenheit

Unter Offenheit versteht man im Kontext des Fünf-Faktoren-Modells die generelle Offenheit für oder auch Neugier auf neue Erfahrungen.

Menschen mit hohem Offenheitswert zeigen eine Vorliebe für Kunst, Theater, Musik, Reisen und das Kennenlernen fremder Kulturen und Lebensweisen. Sie sind kreativer, fantasievoll und haben eher unkonventionelle Überzeugungen. Sie finden ihre Befriedigung eher in der Abwechslung. Sie nehmen ihre Gefühle, gute wie schlechte, deutlicher wahr als Menschen mit niedrigerem Offenheitswert. Im Extremfall neigen solche Menschen zu magischem Denken und legen eine sichtbare Exzentrizität an den Tag.

Bei Menschen mit niedrigem Offenheitswert hingegen zeigt sich eine eher konservative Einstellung. Sie fühlen sich in unbekannten Situationen unwohl und bevorzugen vertraute Umgebungen. Sie sind vorsichtiger und finden ihre Befriedigung eher in Routine und Traditionen. Sie sind pragmatisch und faktenorientiert. Sie stehen ihren eigenen Gefühlen distanzierter gegenüber.

Gewissenhaftigkeit

Gewissenhafte Menschen sind sich ihres Handelns und der Folgen ihres Verhaltens bewusst. Sie fühlen sich dem anderen gegenüber verantwortlich und achten in der Regel darauf, die ihnen übertragenen Aufgaben zu erfüllen. Sie handeln diszipliniert, geplant, genau, zielstrebig und behalten Details im Auge.

Menschen mit hohem Gewissen zeigen ein zielorientiertes Verhalten. Sie setzen sich ehrgeizige Ziele und sind motiviert, diese zu erreichen. Unbeeindruckt von harter Arbeit sind sie bestrebt, in jedem Aspekt ihres Lebens erfolgreich zu sein, einschließlich akademischer Leistungen und der Förderung ihrer Karriere.

Menschen mit niedrigem Gewissenhaftigkeitswert sind eher unorganisiert, gelten als unzuverlässig, unpünktlich und vielfach unmotiviert. Sie arbeiten unsauber und haben Probleme, sich über längere Zeit auf eine Aufgabe zu konzentrieren. Sie tendieren stattdessen zu impulsivem Verhalten und nehmen weniger Rücksicht auf die möglichen Folgen ihres Handelns.

Extraversion

Extraversion und Introversion beschreiben das Verhältnis einer Person zu anderen Menschen. Extravertierte Menschen schöpfen Kraft aus der Interaktion mit anderen, während es introvertierte Menschen eher Kraft kostet, mit anderen Menschen zu interagieren.

Menschen mit hoher Extraversion sind energiegeladen, gesprächig, sozial und treten mit einer gewissen Dominanz auf, während Menschen mit geringer Extraversion dazu neigen, ruhig, zurückgezogen, gehemmt und zu einem gewissen Grade unterwürfig zu sein.

Im Extrem äußert sich hohe Extraversion als Sucht nach Aufmerksamkeit und Aufregung, während extreme Introversion sich niederschlagen kann als soziale Vereinsamung, Gefühlskälte und als Anhedonie, der Unfähigkeit Freude zu empfinden.

Verträglichkeit

Unter Verträglichkeit versteht man, wie viel Wert eine Person auf Harmonie im zwischenmenschlichen Bereich legt. Menschen mit hohem Verträglichkeitswert sind bestrebt, sich gut mit anderen Menschen zu verstehen und soziale Situationen angenehm für alle Beteiligten zu gestalten. Sie fühlen sich unwohl in Konfliktsituationen. Streit und Konflikte sind etwas, das sie zu vermeiden zu versuchen.

Verträgliche Menschen gelten als vertrauenswürdig und sie haben ihrerseits ein größeres Vertrauen in die Motive und das Gute in anderen Menschen. Ihr Handeln ist geprägt von Rücksichtnahme, Hilfsbereitschaft, Altruismus, Kooperationsbereitschaft und Höflichkeit und sie sind eher bereit, Kompromisse zu schließen und ihre eigenen Bedürfnisse zurückzustellen.

Auf der anderen Seite sind Menschen mit geringem Verträglichkeitswert eher misstrauisch in Bezug auf die Motive anderer Menschen und haben weniger Probleme damit, sich in Konflikt zu anderen Menschen zu befinden. Generell sind sie mehr auf ihre eigenen Interessen bedacht, weniger kompromissbereit und nehmen weniger Rücksicht darauf, wie sich die anderen Beteiligten in einer sozialen Situation fühlen.

Extrem hohe Verträglichkeit kann sich niederschlagen in einer ausgeprägten Unterwürfigkeit und Leichtgläubigkeit. Auf der anderen Seite kann sich extrem geringe Verträglichkeit als manipulatives Verhalten äußern, als Rücksichtslosigkeit, Herzlosigkeit, als narzisstisch übersteigerte Überzeugungen der eigenen Überlegenheit und chronisches Misstrauen gegenüber anderen Menschen.

Neurotizismus

Der Begriff Neurotizismus beschreibt die Neigung zu negativen Emotionen wie Angst, Nervosität, Unsicherheit, Eifersucht, Depressionen oder Wut. Daher findet sich auch oft der Begriff emotionale Stabilität bzw. Instabilität oder Labilität.

Menschen mit hohen Neurotizismuswerten sind notorische Grübler und leben in ständiger Sorge, was es ihnen schwer macht, ihr Leben in vollen Zügen zu genießen.

Sie neigen dazu, viel Zeit auf das Überdenken ihrer eigene Schwächen und Probleme zu verwenden und deren Bedeutung überzubewerten. Sie sind weniger resistent gegen Stress und haben Probleme, das Positive in einer Situation zu sehen, während es ihnen einfach fällt, negative Aspekte zu finden und sich ausgiebig mit ihnen zu beschäftigen. Nicht von ungefähr sind daher Depressionen und Angststörungen assoziiert mit hohen Neurotizismuswerten.

Bei geringem Neurotizismuswert hingegen neigen Menschen zu einer optimistischeren Sicht auf die Zukunft und Probleme oder Aufgaben. Sie sind generell entspannter, ausgeglichener und erleben weniger negative Emotionen, was jedoch nicht bedeuten muss, dass sie mehr positive Emotionen erleben.

Zusammenhang zwischen Fünf-Faktoren-Modell und psychischen Störungen

Psychische Störungen sind oft mit extremen Ausprägungen der Persönlichkeitseigenschaften des Fünf-Faktoren-Modells verbunden bzw. ist in vielen Fällen eine Korrelation sichtbar.

Zwillingsstudien zeigen zudem, dass diese Zusammenhänge zwischen Persönlichkeitsmerkmalen und psychischen Erkrankungen nicht nur auf der Verhaltensebene, sondern auch auf der genetischen Ebene bestehen. Zudem haben Kinder von Eltern, die in Bezug auf ein Persönlichkeitsmerkmal einen extremen Wert zeigen, selbst ein erhöhtes Risiko dieses Extrem bzw. damit verbundene psychische Störungen zu entwickeln.

Hier eine (unvollständige) Aufzählung von Persönlichkeitsstörungen bzw. psychischen Störungen im Zusammenhang mit dem Big Five-Modell:

  • Hohe Gewissenhaftigkeit: Zwangsstörungen
  • Sehr geringe Verträglichkeit und Gewissenhaftigkeit: Neigung zu Psychopathie und Drogen- oder Alkoholmissbrauch
  • Hoher Neurotizismus und geringe Extraversion: Depressionen, Angststörungen, Sozialphobie, vermeidende Persönlichkeitsstörung
  • Geringe Extraversion, geringe Verträglichkeit, geringe Offenheit und hoher Neurotizismus: Verdeckter Narzissmus
  • Hohe Extraversion, hohe Offenheit, geringe Verträglichkeit und geringer Neurotizismus: Grandioser Narzissmus

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