Frühkindliches Bindungstrauma als Ursache einer Depression

Eine Ursache von Depressionen kann ein in der Kindheit erlebtes Bindungstrauma sein, das zwischenmenschliche Beziehungen zum Kraftakt werden lässt.

Frühkindliches Bindungstrauma als Ursache einer Depression

Die Gründe für eine Depression sind je nach Person sehr unterschiedlich, es gibt aber einige grundlegende Mechanismen, die sich fast bei jedem Menschen finden lassen. Gehen wir einmal ganz an die Basis, dann ist eine Depression ein Zeichen für einen Konflikt oder ein unbewältigtes Problem, das es einem zunehmend unmöglich macht, mit der Welt, so wie sie ist, umzugehen.

Oftmals ist man sich als Betroffener dieses Konflikts gar nicht bewusst. Sehr häufig ist das sogar der Fall, denn andernfalls, wenn man wüsste, was einem an der Seele nagt, dann könnte man sich ihm stellen. Stattdessen verzagt und verzweifelt man mehr und mehr, leidet und grübelt vor sich hin, bis die Welt grau und unglaublich hoffnungslos aussieht.

Eine sehr häufige Ursache für Depressionen ist ein sogenanntes Bindungstrauma. Egal, wie grummelig oder introvertiert wir durchs Leben gehen, wir haben als Menschen das innere Bedürfnis, sichere Beziehungen zu anderen Menschen aufzubauen und am Leben zu erhalten.

Wird eine solche Beziehung gestört, wird das als Bedrohung empfunden. Häufig sieht man dann zum Beispiel, dass Menschen sehr anhänglich, ja aufdringlich werden. Dass sie große Anstrengungen bis hin zur Selbstaufgabe unternehmen, um die Beziehung am Bestehen zu halten. Bei Menschen mit Borderline Persönlichkeitsstörung ist dieses Verhalten sogar Teil der Diagnose: Eine unsägliche Angst vor dem Verlassenwerden und massive Anstrengungen, um das Verlassenwerden zu verhindern.

Diese gefühlte Bedrohung kann auch dazu werden, dass man sich in sein inneres Schneckenhaus zurückzieht, oder sich zu einer Person entwickelt, die sozialen Bindungen komplett aus dem Weg geht, um sich gar nicht erst der Gefahr auszusetzen, zurückgewiesen oder verlassen zu werden.

Vermeidendes Verhalten

Wie schon erwähnt, ist eine typische Bewältigungsstrategie, dass man Beziehungen schlicht vermeidet. Der Gedanke, andere Menschen in sein Leben zu lassen, sich ihnen zu öffnen, fühlt sich bedrohlich an. Man möchte nicht verletzt werden und hat die Idee verinnerlicht, dass das wohl genau das ist, was passieren wird.

Damit verneint man aber auch sein inneres Bedürfnis nach sozialen Beziehungen. Und damit haben wir einen inneren Konflikt. Dann wird oft behauptet, dass man halt lieber seine Ruhe habe und nicht viel auf andere Menschen gibt.

Aber es nagt in einem. Liebe, Zuneigung, Anerkennung, Respekt, Vertrauen, Verständnis, das Gefühl gebraucht zu werden, all das versagt man sich. Das Leben wird grau und eintönig. Etwas fehlt, was man sich aber nicht geben kann, aus der Angst heraus, dass es nicht halten wird.

Selbstaufgebendes Verhalten

Eine andere Bewältigungsstrategie, die man häufig sieht, besteht darin, sich aufzugeben für den anderen. In der fortwährenden Angst, eine Beziehung zu verlieren, tut man alles, um dem Anderen zu gefallen und ihn bei sich zu halten. Die eigenen Bedürfnisse werden ignoriert, bis hin zu einem Punkt, an dem die Beziehung schädlich für einen ist, und man besser daran wäre, sie aufzugeben – aber man kann es nicht.

In leichteren Fällen dieser Bewältigungsstrategie hat ein Betroffener einfach nur ein Problem damit, alleine zu sein. Er kann nicht mit sich alleine sein und jagt nach der Aufmerksamkeit und Zuneigung anderer Menschen.

Frühkindliche Zurückweisung

Sehr oft findet man bei depressiven Menschen, dass sie in ihrer frühen Kindheit Erfahrung mit Einsamkeit und Zurückweisung gemacht haben. Das kann zum Beispiel sein, dass ein Elternteil selbst depressiv war und sich nicht ausreichend um das Kind kümmern konnte. Das kann ein Elternteil mit einem Alkoholproblem sein. Der Tod eines Elternteils.

Das kann aber auch Mobbing in Schule oder Kindergarten sein. Oder als Kind ist man oft umgezogen und konnte keine längerfristigen Freundschaften zu anderen Kindern aufbauen.

Irgendwann hat man als Kind gelernt, dass Beziehungen zu anderen Menschen brüchig und schmerzvoll sind, und das in sein Erwachsenenalter hinein verinnerlicht und generalisiert.

Kitschig gesagt, steckt da ein verletztes, ängstliches Kind in einem, das nicht gelernt hat, dass es anderen Menschen und sich selbst vertrauen kann, und dass selbst beim Ende einer Beziehung die Welt nicht untergeht.

Auswege

Ein Anfang ist gemacht, wenn man sich aktiv mit seiner Vergangenheit auseinandersetzt und versteht, dass die eigenen automatischen Denkmuster und Verhaltensweisen heute Resultat von etwas sind, das in der Kindheit passiert ist.

Wenn man versteht, wo der innere Konflikt herkommt, kann man beginnen, ihn aufzulösen. Es hilft, einfach mal niederzuschreiben, welche Bedürfnisse man in sich selbst verspürt und zu überlegen, welches Denken und Verhalten dazu führt, dass diese nicht befriedigt werden.

Auch ein Klassiker wie einen Brief an die Menschen zu schreiben, die einen verletzt haben, seine Sicht auf das Gewesene darzulegen und versuchen zu verstehen, warum der Andere so gehandelt hat, auch das kann helfen.

Dazu ein Tagebuch, in dem man täglich festhält, was falsch und was richtig gelaufen ist. Welche Situationen habe ich heute erlebt, wie habe ich mich gefühlt, wie habe ich mich verhalten, was habe ich gedacht?

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