Borderline FAQ: Die häufigsten Fragen zur Borderline-Persönlichkeitsstörung

Wir haben die häufigsten Fragen zum Thema Borderline beantwortet.

Borderline FAQ: Die häufigsten Fragen zur Borderline-Persönlichkeitsstörung

Was genau ist das Borderline-Syndrom?

Das Borderline-Syndrom ist eine Persönlichkeitsstörung aus der Gruppe der emotional-dramatischen Persönlichkeitsstörungen. Im Kern finden sich bei Betroffenen fast immer folgende Aspekte wieder:

  • Unklare, schwankende Ansichten darüber, wer oder wie man selbst ist oder sein sollte.
  • Häufige Gefühle von innerer Leere und oft auch schlicht von Langeweile.
  • Intensive, aber unstete zwischenmenschliche Beziehungen, die immer wieder durch Misstrauen und Angst vor dem Verlassenwerden gekennzeichnet sind.
  • Teils gravierende Stimmungsschwankungen und intensive Emotionen.
  • Phasen ausgeprägter Impulsivität.
  • Der Hang zu extremen Denkweisen, zu Schwarz-Weiß-Denken und widersprüchlichen Ansichten, die innerhalb kurzer Zeit zwischen extrem positiv und extrem negativ wandern können. Man könnte sagen, dass Borderline vielfach das Problem ist, Halt zu finden, Vertrauen zu haben und Grautöne oder Unbestimmtheiten zuzulassen in Bezug auf sich selbst und in Bezug auf die Beziehung zu anderen Menschen.

Die Einordnung von Borderline als Persönlichkeitsstörung macht klar, dass eine kontinuierliche Störung des Denkens und Handelns ist, also der Persönlichkeit, die darüber hinaus zu deutlichen Problemen im Leben des Betroffenen führt.

Das Borderline-Syndrom ist fast immer von weiteren psychischen Problemen begleitet, insbesondere Depressionen und Drogen- oder Alkoholmissbrauch. Selbstverletzendes Verhalten kommt häufig vor, ist aber nicht notwendigerweise ein Anzeichen für Borderline.

Siehe auch: Anzeichen und Symptome von Borderline

Was sind die Symptome von Borderline?

Bei der Frage nach den Symptomen der Borderline-Persönlichkeitsstörung gibt es zwei unterschiedliche Definitionen, einerseits die des amerikanischen Diagnoseleitfadens DSM 5 und anderseits die des Klassifikationssystems ICD-10 der Weltgesundheitsorganisation, das mehrheitlich in Europa Anwendung findet.

Das ICD-10 betrachtet Borderline als einen Typ der emotional instabilen Persönlichkeitsstörung. Hier die Definition im Zitat: Eine Persönlichkeitsstörung mit deutlicher Tendenz, Impulse ohne Berücksichtigung von Konsequenzen auszuagieren, verbunden mit unvorhersehbarer und launenhafter Stimmung. Es besteht eine Neigung zu emotionalen Ausbrüchen und eine Unfähigkeit, impulshaftes Verhalten zu kontrollieren. Ferner besteht eine Tendenz zu streitsüchtigem Verhalten und zu Konflikten mit anderen, insbesondere wenn impulsive Handlungen durchkreuzt oder behindert werden. Zwei Erscheinungsformen können unterschieden werden: Ein impulsiver Typus, vorwiegend gekennzeichnet durch emotionale Instabilität und mangelnde Impulskontrolle; und ein Borderline- Typus, zusätzlich gekennzeichnet durch Störungen des Selbstbildes, der Ziele und der inneren Präferenzen, durch ein chronisches Gefühl von Leere, durch intensive, aber unbeständige Beziehungen und eine Neigung zu selbstdestruktivem Verhalten mit parasuizidalen Handlungen und Suizidversuchen.

Dem amerikanischen DSM 5 zufolge müssen für die Diagnose einer Borderline-Persönlichkeitsstörung mindestens fünf der folgenden Kriterien erfüllt sein:

  • Das Unternehmen großer Anstrengungen, gefühltes oder tatsächliches Verlassenwerden zu verhindern.
  • Ein Muster instabiler, intensiver zwischenmenschlicher Beziehungen, die geprägt sind von einem Wechsel zwischen extremer Idealisierung und Herabwertung des Partners (auch "Splitting" genannt).
  • Identitätsstörung: ausgeprägtes und anhaltend instabiles Selbstbild oder Selbstgefühl.
  • Impulsives Verhalten in mindestens zwei Bereichen, die potenziell selbstschädigend sind (z.B. Geldverschwendung, Sex, Drogenmissbrauch, rücksichtsloses Fahren, "Fressattacken").
  • Wiederkehrendes suizidales Handeln bzw. entsprechende Gesten oder Drohungen oder selbstverletzendes Verhalten.
  • Emotionale Instabilität als Reaktion auf Alltags-Ereignisse (z.B. intensive Traurigkeit, Reizbarkeit oder Angstzustände, die in der Regel einige Stunden und nur selten mehr als ein paar Tage andauern).
  • Ein chronisches Gefühl innerer Leere.
  • Überzogene, heftige Wutausbrüche oder Schwierigkeiten, seinen Zorn zu kontrollieren, (z. B. häufige Temperamentsausbrüche, ständige Wut, wiederkehrende körperliche Auseinandersetzungen).
  • Flüchtige, stressbedingte paranoide Vorstellungen oder schwere dissoziative Symptome.

Siehe auch: Borderline im ICD-10

Was für Arten von Borderline gibt es?

Es gibt verschiedene Ansätze, Borderline in feinere Gruppen zu unterteilen. Es hat sich aber noch kein offizielles Modell durchgesetzt. Ein weit verbreitetes Modell geht auf den amerikanischen Psychologen Theodore Millon zurück, der Borderline in vier Arten unterteilt:

  • Entmutigt: Bei diesem Typ findet sich eine starke Abhängigkeit von anderen Menschen, gleichzeitig aber auch eine Desillusionierung und Wut in Bezug auf zwischenmenschliche Beziehungen.
  • Impulsiv: Dieser Typ ist geprägt von Impulsivität und verwendet viel Energie darauf, Langeweile zu entgehen.
  • Mürrisch: Der mürrische Borderliner ist häufig wütend, schlecht gelaunt, trotzig und ablehnend.
  • Selbstzerstörerisch: Dieser Typ neigt mehr als die anderen zu Verhaltensweisen, die für ihn gefährlich sind.

Siehe auch: Die vier Arten von Borderline

Ist Borderline eine Psychose?

Borderline ist keine Psychose, beide teilen aber gewisse Aspekte. Eine Psychose ist gekennzeichnet durch eine gestörte Wahrnehmung der Wirklichkeit. Ein Betroffener hat Schwierigkeiten zwischen Realität und Einbildung zu unterscheiden. Das kann beinhalten Überzeugungen, die im Widerspruch zur Wirklichkeit stehen, oder handfeste Sinneshalluzinationen, was in der Folge oft zu sichtbarem Verhalten führt, das für einen Außenstehenden unnormal oder der Situation nicht angemessen erscheint.

Auch Borderliner finden sich häufiger in Situationen wieder, die durch dissoziatives Denken geprägt sind, also Zustände, in denen sie Schwierigkeiten haben, sich selbst, ihre Gefühle oder ihre Umwelt adäquat zu erkennen. In einem solchen Zustand werden sie der Welt und sich selbst fremd, sind in verzerrten Gedankenmustern gefangen, verlieren den Bezug zur und die Kontrolle über die Realität.

Wie gefährlich ist ein Borderliner?

Die Frage danach, ob ein von Borderline Betroffener gefährlich ist, ist nicht klar mit Ja oder Nein zu beantworten. In erster Linie können sie für sich selbst eine Gefahr darstellen. Die Selbstmordrate ist unter Betroffenen deutlich erhöht. Selbstverletzendes Verhalten wie das Schneiden mit Rasierklingen nicht unüblich. Bekannt ist auch das Phänomen, dass mit Suizid gedroht wird, z. B. um den Partner vom Beenden einer Liebesbeziehung abzuhalten, und es zu Unfällen und unabsichtlichen Selbsttötungen kommt.

Klar ist auch, dass Phasen äußerst impulsiven Verhaltens zu unnötigen Risiken führen. Drogenmissbrauch, sexuelle Eskapaden mit ungeschütztem Geschlechtsverkehr bei wechselnden Partnern, das Verprassen von Geld, das man eigentlich gar nicht hat, riskantes Fahrweisen im Straßenverkehr, …

Für andere Menschen kann ein Borderliner tatsächlich gefährlich werden, fast immer dann wenn ein Wutausbruch in körperlicher Gewalt eskaliert. Die meisten Borderliner, die vor einem Richter landen, sind es aufgrund von häuslicher Gewalt. Es gibt auch Anzeichen dafür, dass Borderline im Vergleich zur Normalbevölkerung häufiger mit antisozialen Tendenzen einhergeht, was in Verbindung mit der Impulsivität Nährboden für kriminelles Verhalten ist.

Siehe auch: Studie: Borderline Personality and Criminality (Englisch)

Können Borderliner Empathie empfinden?

Borderliner können Empathie empfinden. Generell kann man sogar sagen, dass das Problem von Borderlinern nicht ein zu wenig an Empathie ist, sondern dass sie zu viel Empathie haben und herzlich schlecht darin sind, damit umzugehen. Man kann auch den Punkt vertreten, dass sie Probleme haben, Emotionen richtig zu erkennen und einzuordnen. Sie neigen dazu, ihr eigenes Erleben zu generalisieren, und auch kleinste, an sich unbedeutende Anzeichen bei ihrem Gegenüber zu dramatisieren und ins Extrem zu interpretieren.

Ist das Borderline-Syndrom vererbbar?

Im engsten Sinne des Wortes ist das Borderline-Syndrom nicht vererbbar, aber wie so viele psychische Krankheiten, hat auch die Borderline-Persönlichkeitsstörung eine genetische Komponente. Das bedeutet, dass Menschen, die im engen Verwandtenkreis wie z. B. den Eltern Fälle von Borderline haben, eine höhere Wahrscheinlichkeit haben, ebenfalls diese Krankheit auszubilden, z. B. in Folge eines traumatischen Kindheitserlebnisses. Die genetische Komponente begünstigt die Erkrankung, aber sie ist nicht alleinige Ursache.

Ist Borderline chronisch?

Da es zur Definition einer Persönlichkeitsstörung gehört, ein stabiles, anhaltendes Muster gestörten Denkens und Handelns zu sein, kann man Borderline durchaus als chronische Erkrankung bezeichnen. Sie kann sich Jahre und Jahrzehnte hinweg halten. Das heißt aber nicht, dass sie nicht behandelt werden kann. Es gibt gut funktionierende Therapieansätze und sehr oft kann man beobachten, dass mit zunehmenden Alter die Schwere der Symptome von allein abnimmt.

Ist Borderline ansteckend?

Borderline ist keine ansteckende Krankheit. Auch engster Kontakt mit einem Borderliner führt nicht dazu, dass man selbst Borderline ausbildet.

Allenfalls im übertragenen, eher metaphorischen Sinne könnte man von einer gewissen Ansteckungsgefahr reden. Gerade Liebesbeziehungen mit einem von Borderline betroffenen Partner sind psychisch anspruchsvoll. Die häufig auftretenden Schwankungen zwischen Vergötterung und Verdammung des Partners, das impulsive Verhalten, die irrationalen Wutausbrüche, die wie aus dem Nichts zu kommen scheinen, stellen einen großen Stressfaktor dar, der über längere Zeit zu Problemen im Selbstbild, zu Problemen in der emotionalen Stabilität, zu Depressionen und ungesunden Verhaltens- und Denkmustern beim nicht von Borderline betroffenen Partner führen kann. Deshalb ist es für das Bestehen solcher Beziehungen von großer Wichtigkeit, Grenzen zu setzen und sich in einem gesunden Egoismus nicht zum Spielball der schwankenden Emotionen und Ansichten des Partners zu machen.

Wie kann man Borderline behandeln?

Borderline kann durch eine Therapie behandelt werden. Es gibt (noch) keine Medikamente gegen diese Persönlichkeitsstörung. Begleiterscheinungen wie Depressionen können aber medikamentös behandelt werden, auch um den generellen Leidensdruck zu mindern und so die Erfolgsaussichten einer Therapie zu erhöhen. Tests mit antipsychotischen Medikamenten deuten darauf hin, dass auch bestimmte Aspekte von Borderline wie dissoziative Zustände medikamentös abgemildert werden können.

In der Praxis haben sich mehrere Therapieformen als effektiv in der Behandlung von Borderline gezeigt, insbesondere die Dialektisch-Behaviorale Therapie, eine Mischung aus kognitiver Verhaltenstherapie angereichert um Elemente von Achtsamkeit und dem Erlernen von praktischen Fertigkeiten, mit Herausforderungen und den eigenen Gefühlen umzugehen.

Siehe auch: Dialektisch-Behaviorale Verhaltenstherapie