Anzeichen und Symptome einer Borderline-Persönlichkeitsstörung

Das Gefühlsleben eines Menschen mit Borderline-Persönlichkeitsstörung ist eine Achterbahnfahrt.

Anzeichen und Symptome einer Borderline-Persönlichkeitsstörung

Die Borderline-Persönlichkeitsstörung BPS (auch: emotional instabile Persönlichkeitsstörung oder Borderline-Syndrom) ist eine psychische Erkrankung, die durch anhaltende Stimmungsschwankungen, ein unstetes Selbstbild und impulsive Verhaltensweisen gekennzeichnet ist. Menschen mit Borderline-Persönlichkeitsstörung können intensive Episoden von Wut, Depression und Angst erleben, die von ein paar Stunden bis zu mehreren Tagen anhalten können.

Betroffene haben zudem häufig Probleme, stabile zwischenmenschliche Beziehungen aufrecht zu erhalten, und sind oftmals von einer großen Angst getrieben, verlassen zu werden. Diese Angst führt zu Verhaltensweisen wie Wutausbrüchen oder Selbstmorddrohungen, die vom Gegenüber nur schwer zu verstehen sind.

Borderline Symptome und Anzeichen

Menschen mit Borderline-Persönlichkeitsstörungen erleben Stimmungsschwankungen und eine große Unsicherheit darüber, wie sie sich selbst und ihre Rolle in der Welt sehen. Dadurch können sich ihre Interessen und Werte schnell ändern.

Sie neigen auch zu extremen Ansichten, zu Schwarz-Weiß- und Alles-oder-nichts-Denken. Auch ihre Meinung über andere Menschen kann sich schnell ändern. Eine Person, die an einem Tag als Freund angesehen wird, kann am nächsten Tag als Feind oder Verräter betrachtet werden. Diese wechselnden Gefühle können zu sehr intensiven und gleichzeitig sehr instabilen Beziehungen führen.

In der Praxis sind Anzeichen einer Borderline-Störung eine Kombination aus mehreren der folgenden Symptome:

  • Ein häufiges Gefühl innerer Leere
  • Eine starke Angst davor, verlassen zu werden, und das Unternehmen großer Anstrengungen, dieses gefühlte oder tatsächliche Verlassenwerden zu verhindern
  • Instabile Beziehungen, die geprägt sind von einem Wechsel zwischen extremer Idealisierung und Herabwertung des Partners
  • Wiederholte Selbstmordversuche, Androhung von Selbstmord oder selbstverletzendes Verhalten
  • Eine starke Affektivität und mangelnde Impulskontrolle, häufige Gereiztheit
  • Überzogene, heftige Wutausbrüche
  • Ein instabiles Selbstbild oder gestörte Selbstwahrnehmung

Siehe auch: Habe ich eine Borderline Persönlichkeitsstörung?

Nicht alle genannten Symptome müssen für eine Diagnose vorliegen. Entsprechend dem us-amerikanischen Diagnose-Leitfaden DSM-5 müssen fünf der genannten Kriterien erfüllt sein, um eine BPS zu diagnostizieren.

BPS-Betroffene zeigen auch häufig Symptome von Dissoziation. Diese kann in verschiedenen Formen auftreten, z. B. als Depersonalisation, dem Gefühl nicht sich selbst oder gar jemand anderes zu sein, oder in Form von Derealisation, dem Gefühl dass die Welt um einen herum nicht echt sei.

Weiterhin hat sich in den vergangenen Jahren, zumindest inoffiziell, der Begriff des "stillen Borderliners" etabliert.

Während die "klassische" BPS durch Episoden von Gewaltausbrüchen gekennzeichnet ist, neigen Personen mit "stiller" BPS dazu, diese Gewalt nach innen zu lenken. Sie haben seltener Wutausbrüche und legen seltener aggressives Verhalten an den Tag, können aber im gleichen Maße oder sogar häufiger selbstverletzendes oder suizidales Verhalten an den Tag legen.

Stille Borderliner erleben immer noch die intensive emotionale Achterbahnfahrt, welche die Störung auszeichnet, verwenden aber oft mehr Energie darauf, ihre Emotionen zu unterdrücken oder zur Seite zu schieben. Sehr oft ist ihr Selbstbild von Scham oder Selbsthass geprägt.

Aufgrund der Tatsache, dass die stille BPS aktuell keine offizielle Diagnose ist, gibt es keine verlässlichen Zahlen zur Häufigkeit.

Borderline und selbstverletzendes Verhalten

Die generelle Vorstellung, dass ein Mensch mit Borderline auch immer selbstverletzendes oder gar suizidales Verhalten an den Tag legt, entspricht nicht der Wirklichkeit. Weiterhin ist das berühmte Ritzen, das Zufügen von Schnittwunden an Armen oder Beinen, ist nicht unbedingt ein Anzeichen für das Vorliegen einer Borderline-Erkrankung. Diese Handlungen können aus vielen anderen Störungen heraus enstehen.

Gleichzeitig aber kommen Studien zu dem Ergebnis, dass zwischen 65 % bis 80 % aller Menschen mit Borderline-Störung mindestens einmal im Leben eine selbstverletzende Handlung vornehmen. Die Wahrscheinlichkeit liegt dabei für Frauen höher als für Männer.

Eine BPS-Erkrankung geht mit einem erhöhten Risiko für Selbstmordgedanken oder –handlungen einher. Dabei von besonderem Interesse ist, dass in vielen Fällen der Selbstmord an sich gar nicht das gewünschte Ziel ist. Vielmehr führt die immense Angst vor dem Verlassenwerden dazu, dass der Suizidversuch ein Hilfeschrei oder emotionale Erpressung ist, und sich in manchen Fällen der Betroffene, so makaber es klingt, aus Versehen umbringt.

Ursachen für Borderline

Die Ursachen für die Ausbildung einer Borderline-Persönlichkeitsstörung sind weitgehend unklar. Die jüngere Forschung deutet darauf hin, dass erbliche Faktoren, Fehlentwicklungen in der Gehirn-Struktur oder –Funktion sowie kulturelle und soziale Faktoren eine Rolle spielen beziehungsweise das Risiko für die Entwicklung einer Borderline-Persönlichkeitsstörung erhöhen können.

Familiengeschichte: Menschen, die ein nahes Familienmitglied mit BPS haben, wie z. B. ein Elternteil oder Geschwister, besitzen ein höheres Risiko, eine Borderline-Persönlichkeitsstörung zu entwickeln.

Gehirnentwicklung: Studien zeigen, dass Menschen mit Borderline-Persönlichkeitsstörung häufiger strukturelle und funktionelle Veränderungen im Gehirn haben, insbesondere in den Bereichen, die fürImpulskontrolle und Emotionsregulierung zuständig sind. Unklar ist, ob diese Veränderung auslösende Faktoren sind, oder ob sie erst durch die Erkrankung verursacht werden?

Umweltfaktoren: Viele Menschen mit Borderline-Persönlichkeitsstörungen berichten von traumatischen Lebensereignissen wie Missbrauch oder Verlust oder Tod eines nahen Menschen in der Kindheit. Andere berichten von instabilen, konfliktreichen Beziehungen wie die Vernachlässigung durch die Eltern oder extremes Mobbing in der Schule.

Diese Faktoren können die Ausbildung einer Borderline-Störung begünstigen. Sie sind aber weder notwendige Voraussetzung, noch muss ein Mensch, der ähnliche Erfahrung gemacht hat, im Laufe seines späteren Lebens notwendigerweise eine BPS entwicklen.

Behandlung von Borderline-Persönlichkeitsstörung

Für etwa sechzig Prozent der sich in Therapie befindlichen Patienten kann eine dialektische Verhaltenstherapie (auch: Dialektisch-Behaviorale Therapie DBT) eine Verbesserung der Symptome und Lebensqualität bringen. Diese Therapieform wurde in den 1980er Jahren von der Psychologin Marsha M. Linehan entwickelt, die selbst eine BPS-Erkrankung hat.

DBT vereint Elemente der kognitiven Verhaltenstherapie mit Elementen fernöstlichen Meditationstechniken wie der Achtsamkeitsmeditation. Der Patient lernt, genauer auf seine Gefühle und Gedanken zu schauen und einen objektiveren Blick auf die Realität und sein Selbst zu entwickeln. Er lernt Techniken, sich zu entspannen und in Momenten großer Anspannung sich nicht seinen Emotionen hinzugeben.

Da es für Borderline-Betroffene nicht unüblich ist, dass die Erkrankung zumindest teilweise durch traumatische Erlebnisse in Kindheit oder Jugend befördert wird (z. B. Verlust eines Elternteils oder sexueller Missbrauch), kann eine auf die Aufarbeitung und Bewältigung dieses Traumas gerichtete Therapieform zu Erfolgen führen.

Die Borderline-Persönlichkeitsstörung ist eher eine Erkrankung, die sich am intensivsten im jungen Erwachsenenalter bemerkbar macht. Mit zunehmendem Alter können bestimmte Aspekte in den Hintergrund rücken, dass der Betroffene unter Umständen mit Mitte 40 nicht mehr mit BPS diagnostiziert wird, sondern z. B. mit einer Dysthymie.

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