Dependente (abhängige) Persönlichkeitsstörung: Anzeichen und Symptome

Dependente oder abhängige Persönlichkeitsstörung führt bei Betroffenen dazu, dass sie sich in allen Facetten ihres Lebens von anderen Menschen abhängig machen.

Dependente (abhängige) Persönlichkeitsstörung: Anzeichen und Symptome

Eine der eher häufiger auftretenden Persönlichkeitsstörungen ist die dependente oder auch abhängige Persönlichkeitsstörung. Der Name nimmt schon ein wenig vorweg, worum es sich bei dieser Störung handelt. Menschen mit dependenter Persönlichkeitsstörung tendieren dazu, sich von anderen Menschen abhängig zu machen bzw. sich als von anderen Menschen abhängig zu sehen. Sie haben ein ausgeprägtes Bedürfnis, umsorgt zu werden. Ihr Erleben ist gekennzeichnet von einem Gefühl der Hilflosigkeit, von geringem Selbstvertrauen und einer meist melancholisch-depressiven Grundstimmung.

Symptome der dependenten Persönlichkeitsstörung

Dem Diagnoseleitfaden der WHO ICD-10 zufolge ist die dependente Persönlichkeitsstörung neben den allgemeinen Kriterien einer Persönlichkeitsstörung gekennzeichnet dadurch, dass ein Betroffener…

  • … die Verantwortung für wichtige Bereiche des eigenen Lebens anderen Menschen überträgt.
  • … seine eigene Bedürfnisse hinter die Bedürfnisse derer stellt, von denen er abhängig ist.
  • … unverhältnismäßig nachgiebig gegenüber den Wünschen anderer ist.
  • … gegenüber Menschen, von denen er abhängig ist, seine eigenen Meinungen oder Ansprüche zu vertreten, auch wenn sie gerechtfertigt sind.
  • … sieht sich selbst als hilflos, inkompetent und schwach.
  • … fühlt sich unbehaglich, wenn er allein ist.
  • … hat häufig Angst, verlassen zu werden, und muss sich ständig des Gegenteils versichern.
  • … ist innerlich am Boden zerstört und fühlt sich hilflos, wenn eine enge Beziehung zu Ende geht.

Charakteristisch für eine abhängige Persönlichkeit und dem Extrem, der dependenten Persönlichkeitsstörung, ist die gefühlte Hilflosigkeit und das geringe Selbstbewusstsein. Der Betroffene kann zum Beispiel nur schwer eigene Entscheidungen treffen, sondern lässt andere entscheiden oder fragt ständig nach Rat und Anweisungen. Er braucht andere Menschen, die für ihn entscheiden und die Richtung bestimmen, denn in der Wahrnehmung einer dependenten Persönlichkeit ist sie allein unfähig ihr Leben zu führen, ist sie unvollständig und fehlerhaft.

Er kann anderen Menschen nicht widersprechen aus Angst, zurückgewiesen oder nicht gemocht zu werden. Er wird selten Eigeninitiative zum Beispiel im beruflichen Umfeld übernehmen, weshalb Menschen mit dieser Störung es eher selten zum Geschäftsführer bringen.

Ähnlich zur Borderline-Persönlichkeitsstörung erleidet ein von dependenter Persönlichkeitsstörung Betroffener an immensen Verlustängsten. Während ein Borderliner darauf jedoch mit wechselhaften Gefühlen aus Wut, Ärger, Hass, Idealisierung, Trauer und innerer Leere reagiert, unterwirft sich die dependente Persönlichkeit und versucht, jeden Wunsch seines Gegenübers zu erfüllen.

Innerhalb einer romantischen Partnerschaft sind dependente Menschen daher sehr anhänglich, klammernd, selbstverleugnend und unterwürfig. Selbst angesichts von Missbrauch und von Gewalt innerhalb der Partnerschaft fällt es der dependenten Persönlichkeit sehr schwer loszulassen. Geht eine Beziehung in die Brüche, fühlt sich der Betroffene innerlich zerstört, verzweifelt und hilflos den Elementen ausgesetzt. Deshalb sucht er auch so schnell wie möglich einen neuen Partner.

Abhängigkeit und Aggression

Es sollte nicht überraschen, dass angesichts der beschriebenen Symptome ein Mensch mit dependenter Persönlichkeitsstörung ein erhöhtes Risiko hat, von anderen Menschen ausgenutzt zu werden oder sich in Beziehungen wiederzufinden, in denen er mit psychischer und physischer Gewalt konfrontiert ist.

Überraschend hingegen ist, dass manche Betroffene selbst zu Aggressionen tendieren. Das Bedürfnis nach Aufmerksamkeit und Fürsorge kann dann in Aggression umschlagen, wenn ihm diese Aufmerksamkeit und Fürsorge nicht in dem Maße geschenkt werden, wie er es für notwendig erachtet. Gerade betroffene Männer laufen Gefahr, sich in einer Partnerschaft aggressiv, kontrollierend und tyrannisch zu verhalten, wenn sie der Meinung sind, dass ihr Partner vorhat sie zu verlassen oder zu engen Kontakt zu anderen Menschen pflegt.

Ursachen der dependenten Persönlichkeitsstörung

Die dependente Persönlichkeitsstörung gehört zu den am häufigsten diagnostizierten Persönlichkeitsstörungen. Schätzungen gehen davon aus, dass etwa 2,5% der Gesamtbevölkerung davon betroffen sind. Es gibt keinen statistisch relevanten Unterschied zwischen Männern und Frauen. Beide Geschlechter sind in gleichem Maße betroffen.

Die Störung bildet sich im Kindesalter bis frühen Erwachsenenalter aus und in den meisten Fällen verschwinden zumindest die schwerwiegendsten Symptome im mittleren Erwachsenenalter.

Wie bei allen Persönlichkeitsstörungen sind die genauen Ursachen, warum jemand eine dependente Persönlichkeitsstörung ausbildet, nicht hinreichend bekannt. Eine Ursache kann ein über alle Maßen fürsorglicher Erziehungsstil sein, bei dem das Kind nicht lernt, Eigenverantwortung zu übernehmen. Auch das Gegenteil, chronische Vernachlässigung oder Trennung von einem Elternteil, kann zur Entwicklung der Störung beitragen. Andere Ursache können eine schwere, länger anhaltende Krankheit im Kindesalter sein, ein erlebtes Trauma oder auch Missbrauch sein. Zudem spielen genetische Faktoren eine Rolle.

Die dependente Persönlichkeitsstörung hat eine relativ hohe Komorbidität mit anderen Störungen. Zum Beispiel sind Menschen mit Angst- oder Panikstörungen deutlich häufiger davon betroffen. Die Wahrscheinlichkeit einer Depression und für Alkohol- oder Drogenmissbrauch sind ebenfalls erhöht bei einer dependenten Persönlichkeitsstörung.

Menschen mit dependenter Persönlichkeitsstörung haben ein höheres Risiko eine Sozialphobie zu entwickeln, da sie nur ungern das ihnen vertraute Umfeld und ihnen vertraute Menschen verlassen. Es kann auch vorkommen, dass körperliche Krankheiten vorgetäuscht oder mit Absicht herbeigeführt werden, um Aufmerksamkeit und Beistand zu erhalten.

Behandlung der dependenten Persönlichkeitsstörung

Die einzige wirksame Behandlungsform für eine dependente Persönlichkeitsstörung besteht in einer langfristigen Verhaltens- Gesprächstherapie, die dem Betroffenen beibringt, sich selbst besser zu beobachten und sich gesündere Denk- und Verhaltensmuster anzueignen.

Für begleitende Störungen wie Depressionen oder Angststörungen können Medikamente verschrieben werden.

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