Anzeichen und Symptome einer Depression

Was sind die Anzeichen und Symptome einer Depression und welche verschiedenen Arten gibt es?

Anzeichen und Symptome einer Depression

Die Depression ist mittlerweile zu einer Volkskrankheit geworden. Offizielle Schätzungen gehen davon aus, dass bis zu 20 % der deutschen Bevölkerung an einer Depression leidet. Ähnliche Zahlen gibt es in allen westlichen Industrienationen. Zum Beispiel nehmen 10 % aller US-Amerikaner regelmäßig verschreibungspflichtige Antidepressiva ein.

Gleichzeitig heißt das natürlich auch, dass 80 % aller Deutschen (noch) keine Erfahrung mit einer Depression haben und, wie jeder Betroffene weiß, ist es manchmal sehr schwer, ihnen begreiflich zu machen, was das eigentlich ist, dass es nicht einfach nur mal eine Phase ist, in der man „schlecht drauf“ oder grundlos traurig ist.

Anzeichen und Symptome einer Depression

Es gibt verschiedene Arten von Depressionen und jeder Betroffene erlebt sie auch immer ein wenig anders.

Wenn man gemeinhin von einer Depression spricht, redet man von folgenden Symptomen:

  • Hoffnungslosigkeit und das Gefühl, dass sich niemals etwas ändern wird.
  • Die Welt wird nur in Grautönen gesehen und es ist schwer, Positives wahrzunehmen.
  • Antriebslosigkeit und ein Mangel an Energie, überhaupt etwas zu tun.
  • Eine tiefe Traurigkeit, Niedergeschlagenheit oder auch ständige Gereiztheit.
  • Schlafprobleme: Entweder man schläft sehr lange oder viel zu wenig und hat Probleme, mal eine Nacht durchzuschlafen.
  • Dinge, die einem mal interessiert oder Spaß gemacht haben, tun das nicht mehr. Man verliert das Interesse an so ziemlich allem.
  • Schuldgefühle und ein ständiges Gefühl davon, ein Versager zu sein oder andere Menschen wie die eigene Familie zu enttäuschen.
  • Konzentrationsschwierigkeiten und Gedächtnisprobleme.
  • Starke Gewichtsveränderung oder merkliche Zunahme oder Abnahme im Appetit.

Siehe auch: Depressions-Selbsttest nach Zung und PHQ9 Depressions-Selbsttest

Im äußersten Fall kommt es schließlich zu suizidalen Gedanken oder sogar Taten. Es ist ein zynisches Detail dieser Krankheit, dass der Gedanken an den eigenen Tod einem Betroffenen Linderung verschafft. Da sollte man als Freund oder Familie stark darauf achten: Wenn die depressive Episode über längere Zeit, mehrere Wochen, anhält, dann war da mit großer Wahrscheinlichkeit schon einmal der Selbstmord-Gedanke im Kopf.

Sehr typisch für eine Depression ist auch das Ruminieren, das Wiederkäuen quälender Gedanken. Das können traumatische Erinnerungen sein, aber auch viel häufiger das Sezieren von Alltagssituationen, in denen der Betroffene nach Anzeichen einer Katastrophe oder seines eigenen Versagens sucht, bis er sich schließlich davon überzeugt hat, dass eine Situation in der Katastrophe enden wird, dass der Partner einen verlassen wird, dass man er ein Versager ist, dass die Kollegen im Büro wissen, dass er eigentlich gar keine Ahnung von seinem Beruf hat, und und und.

Die Realität entgleitet dem depressiven Menschen, da sein Denken die Fähigkeit verloren hat, Positives zu sehen, während es andererseits nur noch nach Negativem Ausschau hält und in ein absurd übersteigertes Schwarz-Weiß-Denken verfällt.

Oftmals geht eine Depression auch mit einer Angststörung einher. Es kann sein, dass ein Freund in einer depressiven Episode nicht etwa lustlos ist, dieses oder jenes zu tun, sondern dass er Angst davor hat. Auch dieses Detail wird oft übersehen und es nicht unüblich, dass selbst Betroffene glauben, dass dieses beklemmende Gefühl in der Brust ihre Depression sei, dabei haben sie gerade "einfach nur" extreme Angst.

Arten von Depressionen

Wenn man von Depression spricht, denkt man meist an die klassische Depression. Im Englischen hat sich dafür der Begriff "Major Depression" etabliert. Es gibt aber sehr verschiedene Arten von Depression.

Major Depression

Eine Major Depression ist einfach gesprochen ein Mensch, der halbwegs normal durchs Leben fühlt, aber ab und an trifft ihn der Hammer und er fällt in ein tiefes Loch, das mehrere Wochen anhalten kann. Diese Episoden können sehr qualvoll sein bis hin zum Selbstmord.

Dysthymie oder chronische Depression

Die Dysthymie ist eine chronische Depression, die über mehrere Jahre anhalten kann. Sie ist davon gekennzeichnet, dass sie eher eine mildere Form annimmt, aber das Grundniveau der Stimmung immer in den depressiven Bereich verschoben ist. Früher nannte davon betroffene Menschen schwermütig oder melancholisch. Eine Dysthymie kann auch zeitweise in einer schweren depressiven Episode wie bei der Major Depression eskalieren.

Siehe auch: Dysthymie - Chronische Depression Anzeichen und Symptome

Winterdepression

Eine Winterdepression ist eine weit verbreitete Form der Depression, die sich dann entwickelt, wenn im Herbst und Winter die Tage kürzer werden. Menschen, die davon betroffen sind, erleben den typischen Antriebs- und Energieverlust einer Depression. Das Schlafbedürfnis erhöht sich und häufig kommt es zur Gewichtszunahme, da Betroffene einen ausgesprochenen Heißhunger auf Süßigkeiten und Kohlenhydrate generell entwickeln können.

Die Ursache für eine Winterdepression wird im veränderten Biorhythmus vermutet, was wiederum auf den Mangel an Sonnenlicht und der Zusammensetzung des Lichts zurückgeführt wird. Es kommt zur vermehrten Bildung von Melatonin, einem Hormon, das aus dem Neurotransmitter Serotonin gebildet wird und im menschlichen Körper den Tag-Nacht-Rhythmus regelt. Daher auch das vermehrte Schlafbedürfnis bei einer Winterdepression.

Gleichzeitig führt das zu einem Mangel an Serotonin und dessen Vorprodukt Tryptophan, beides, wie man weiß, steht im direkten Zusammenhang mit der Ausbildung einer Depression.

Eine schwächere Form der Winterdepression nennt man Winterblues. Im Normalfall klingen die Symptome innerhalb von drei Monaten wieder ab. Sollte die Winterdepression regelmäßig auftreten oder sich über längere Zeit halten, sollte man einen Arzt aufsuchen.

Für eine Selbsttherapie empfehlen sich mehrere Mittel:

  • Rausgehen, sich an der frischen Luft bewegen und sich so viel Sonnenlicht wie möglich aussetzen.
  • Morgens bis einige Stunden vor dem Schlafengehen Tageslichtlampen einsetzen, welche die Zusammensetzung von natürlichem Sonnenlicht emulieren.
  • Vermehrt Vitamin D (Vitamin D3) über Nahrungsergänzungsmittel aufnehmen, da es gerade in den Wintermonaten schnell zu einem Mangel an Vitamin D kommen kann, was wiederum mit Störungen im Serotonin-Haushalt assoziiert ist.

Es ist fraglich, ob die Einnahme von Nahrungsergänzungsmitteln mit den Serotonin-Vorstoffen Tryptophan oder 5-HTP wie bei einer "normalen" Depression eine positive Wirkung zeigt, da, wie gesagt, die Ursache für eine Winterdepression in der veränderten Umwandlung von Serotonin zu Melatonin liegt.

Bipolar oder manisch-depressiv

Eine manisch-depressiver Mensch pendelt in seinem Gefühlsleben zwischen extremen Höhen und extremen Tiefen.

Die Höhen nennt man Manie. Sie sind gekennzeichnet durch:

  • Euphorie
  • Ein übersteigertes Selbstwertgefühl
  • Das Gefühl von Unverwundbarkeit
  • Risikoaffinität und die Neigung zu „dummen“ Handlungen wie ausschweifende
  • Sexeskapaden, Kaufexzesse, risikoreiches Autofahren, Drogenmissbrauch, …
  • Stellenweise kann es zu Halluzinationen und psychotischen Episoden kommen
  • Schlaflosigkeit und Rastlosigkeit
  • Rasende Gedanken und grandiose Ideen am Fließband

Eine mildere Form der Manie wird Hypomanie genannt. Das ist auch die häufigere Form. Ebenso gibt es Unterschiede in der Häufigkeit der Stimmungsschwankungen. Beim so genannten Rapid Cycling kann ein Betroffenerer zum Beispiel innerhalb weniger Tage oder sogar Stunden zwischen extremen Hoch und tiefster Verzweiflung hin- und herwechseln.

Statistisch gesehen sind bipolare Menschen unter allen Formen der Depression am meisten gefährdet, diese nicht zu überleben. Man schätzt, dass ungefähr ein Drittel aller bipolaren Menschen mindestens einen Selbstmordversuch unternimmt, und etwa ein Viertel nimmt sich tatsächlich das Leben.

Siehe auch: Test: Bin ich bipolar oder manisch-depressiv?

Was ist eine bipolare Störung?

Postnatale oder postpartale Depression

Diese Form der Depression trifft Frauen, nachdem sie ein Kind geboren haben. Sie beginnt typischerweise zwischen einer Woche und einem Monat nach der Geburt und ist gekennzeichnet von den klassischen Depressions-Symptomen: Traurigkeit, Antriebslosigkeit, Schlafstörungen, usw. Man nimmt an, dass die Hauptgründe für diese Form der Depression in der gravierenden Veränderung im Hormonhaushalt liegt, dazu der durch das Kind verursachte Schlafmangel und generelle Sorgen über das Kind und die Zukunft.

Siehe auch: Postpartale Depression - Anzeichen und Symptome

Borderline

Die Borderline-Persönlichkeitsstörung hat wie die bipolare Störung einen starken depressiven Teil. Anzeichen einer Borderline-Störung sind eine Kombination aus mehreren der folgenden Symptome:

  • Ein häufiges Gefühl innerer Leere
  • Eine starke Angst davor, verlassen zu werden, und das Unternehmen großer Anstrengungen, dieses gefühlte oder tatsächliche Verlassenwerden zu verhindern
  • Instabile Beziehungen, die geprägt sind von einem Wechsel zwischen extremer Idealisierung und Herabwertung des Partners
  • Wiederholte Selbstmordversuche, Androhung von Selbstmord oder selbstverletzendes Verhalten
  • Eine starke Affektivität und mangelnde Impulskontrolle, häufige Gereiztheit
  • Überzogene heftige Wutausbrüche
  • Ein instabiles Selbstbild oder gestörte Selbstwahrnehmung

Es ist ein übrigens ein Mythos, dass ein von Borderline betroffener Mensch immer auch sich selbst verletzt und man ihn daher an Narben an Armen oder Beinen erkennen kann.

Ebenso wenig ist es der Fall, dass überzogene heftige Wutausbrüche immer ein notwendiges Symptom sind. Was alle Borderliner gemein haben, ist diese grandiose Angst vom dem Verlassenwerden, und der mangelnde emotionale Schutz vor jeglicher Art von Verletzung, Stress, Problem, usw. Man sagt auch, dass ein Mensch mit Borderline jemand sei, der eine schwere Verbrennung am gesamten Körper davongetragen hat, und den deshalb nur der kleinste Hauch einer Berührung unermessliche Schmerzen bereitet. Borderline ist besonders im zwischenmenschlichen Verhalten durch sehr viel mehr Dinge gekennzeichnet, die wir in einem anderen Artikel behandeln werden.

Siehe auch: Borderline Selbsttest

Anzeichen und Symptome einer Borderline-Persönlichkeitsstörung

Depression Behandlung

Die Behandlung einer Depression sollte immer auch eine gesunde Ernährung und einen gesunden Schlafrhythmus beinhalten. Das mag vielleicht etwas zu einfach klingen, doch unzählige Studien haben über die vergangenen Jahrzehnte gezeigt, dass gesunde Ernährung und gesunder Schlaf die Symptome einer Depression deutlich mildern können.

Auch das Hinzufügen von bestimmten Tees oder Nahrungsergänzungsmitteln zum Ernährungsplan kann dir Erleichterung verschaffen. Bekannt ist z.B. die beruhigende Wirkung von grünem Tee und Kamillen-Tee. Für Fischöl, das unter anderem viel gesundes Omega 3 enthält, ist nachgewiesen, dass es depressive Symptome lindern kann.

Sport ist nicht nur für den gesunden Menschen empfehlenswert. Dem depressiven Geist kann regelmäßige Bewegung Linderung verschaffen. Es ermöglicht dir, besser mit Stress umzugehen, und die Endorphine, die während des Trainings freigesetzt werden, geben dir einen mentalen Schub. Abgesehen von den Vorteilen für die psychische Gesundheit hilft dir körperliche Aktivität auch dabei, nachts besser zu schlafen.

Ein Problem der Depression ist, dass man sich nicht entspannen kann, und durch diese ständige Verkrampftheit seine Energien erschöpft. Yoga kann das Abhilfe schaffen. Es benötigt keine Hilfsmittel und die Posen und Bewegungsabläufe sind leicht zu erlernen. Eine andere Möglichkeit, den Kopf wieder frei zu bekommen und sich eine Atempause von rasenden Gedanken zu verschaffen, ist die Meditation. Studien haben gezeigt, dass regelmäßiges Meditieren in seiner Wirksamkeit nicht schlechter als verschreibungspflichtigen Antidepressiva abschneidet. In bestimmten Umständen wirkt es sogar besser und kann die Gefahr eins Rückfalls deutlich mindern. Auch Meditation ist leicht zu erlernen. Es gibt unzählige Apps, Bücher, Webseiten und kostenlose geführte Mediationen auf Youtube.

Wenn du Freude daran hast, ein Tagebuch zu führen, hast du vielleicht schon einmal festgestellt, dass es dir hilft, deine Gedanken zu Papier zu bringen, anstatt sie in dir zu vergraben. Es ist hilfreich, enge Freunde und Verwandte zu haben, denen man sich anvertrauen kann, aber die sind nicht immer verfügbar oder sind gerade mit ihren eigenen Problemen vollauf beschäftigt. Das macht das Führen eines Tagebuchs zu einer guten Alternative, sich über sein Gedankenchaos Klarheit zu verschaffen oder auch um sich einfach nur mal auszukotzen.

In schwereren Fällen kann eine Therapie bei einem Heilpraktiker, ausgebildeten Psychotherapeuten oder Psychiater wahre Wunder wirken. Es ist leider manchmal etwas schwierig, einen Termin zu erhalten, und lange Wartezeiten sind eher die Regel. Andererseits gibt es doch kaum etwas Besseres, als mit jemandem zu reden, der das Heilen von Depression studiert und zu seinem Beruf gemacht hat.

Nicht jeder Mensch mit einer Depression traut sich aber zum Arzt zu gehen. Das ist eine schlechte Entscheidung, aber wer damit Probleme hat, trifft mittlerweile online auch auf immer mehr interaktive Angebote wie zum Beispiel die Seite 7cups, die auch auf Deutsch verfügbar ist, oder die deutsche Webseite des australischen moodgym-Projekts.

In manchen Fällen kann es angebracht sein, auf verschreibungspflichtige Medikamente zurückzugreifen wie zum Beispiel Medikamente aus der Gruppe der Serotonin-Wiederaufnahmehemmer. Solche Medikamente kommen leider fast nie ohne Nebenwirkungen aus und man sollte da ganz mit dem verschreibenden Arzt zusammenarbeiten, was Dosis und Wahl des Medikaments betrifft. Wichtig ist auch, dass es keinen Grund gibt, sich dafür zu schämen. Es bestehen da viel Unwissen und Vorurteile gegenüber Antidepressiva. Sie machen dich weder zum Zombie, noch verändern sie deine Persönlichkeit. Sie helfen dir einfach nur, deinen Neurotransmitter-Haushalt auf ein gesünderes Level zu bringen, und helfen dir so über eine schwere Zeit hinweg.

Und eines solltest du immer im Kopf behalten: Eine Depression kann geheilt werden, oder zumindest auf ein sehr erträgliches Maß reduziert werden. Diese Heilung ist ein Prozess. Es ist ein Weg, nicht das Ziel. Du wirst auf diesem Weg auch schlimmen Tagen begegnen, aber mit einer gezielten Behandlung und dem Willen, diese Krankheit zu überwinden, kannst du dein Leben aus der Abhängigkeit von der Depression lösen und ein gesundes, glückliches, erfülltes Leben führen.

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