Die vier Arten der Borderline-Persönlichkeitsstörung

Dem Psychologen Theodore Millon zufolge untergliedert sich die Borderline-Persönlichkeitsstörung in vier Kategorien: entmutigt, impulsiv, mürrisch und selbstzerstörerisch.

Die vier Arten der Borderline-Persönlichkeitsstörung

In den beiden Standard-Diagnoseleitfäden DSM und ICD wird nicht zwischen verschiedenen Arten von Borderline-Persönlichkeitsstörung unterschieden. Auch gibt es keinen wissenschaftlichen Konsens darüber, inwiefern Untergruppen definiert werden sollten. Gleichzeitig zeigt sich aber eine Notwendigkeit dafür, die stellenweise sehr verschiedenen Ausprägungen einer Borderline-Persönlichkeitsstörung in ein feineres Klassifizierungssystem zu bringen, um so bessere Erklärungsmodelle und differenziertere Behandlungsmethoden zu erarbeiten.

Ein weit verbreitetes derartiges Modell wurde vom amerikanischen Psychologen Theodore Millon vorgeschlagen. Der 2014 verstorbene Millon, zuletzt tätig als emeritierter Professor an der Harvard Medical School und Universität von Miami, war in der Fachwelt unter anderem bekannt und hoch angesehen durch seinen Beitrag zu früheren Editionen des Diagnoseleitfadens DSM und seine Forschungen auf dem Gebiet der Persönlichkeitsstörungen.

Millon zufolge gibt es vier Untergruppen zur Borderline-Persönlichkeitsstörung:

  • Entmutigt
  • Impulsiv
  • Mürrisch
  • Selbstzerstörerisch

Dabei sind diese Gruppen nicht klar voneinander abgetrennt, sondern bilden vielmehr ein Spektrum ab, in dem sich ein Betroffener verortet und Charakteristiken aller Gruppen in verschieden starker Ausprägung zu Tage treten lässt.

Der entmutigte Borderliner

Menschen in der Gruppe der entmutigten Borderliner wirken oft abhängig von anderen Menschen und bedürftig nach der Zuwendung durch andere. Sie haben ein starkes Bedürfnis nach Akzeptanz und Zustimmung und ihr emotionales Wohlbefinden hängt oft davon ab, was andere Menschen tatsächlich oder vermeintlich über sie denken. Sie sind sehr anhänglich.

Gleichzeitig aber neigen sie dazu, insgeheim starke Wut auf andere Menschen zu empfinden und sind häufig desillusioniert z. B. über ihren Wert in einer Partnerschaft. Sie werden geplagt von einem mangelnden Selbstwertgefühl, von Gefühlen der Unzulänglichkeit und der Unterlegenheit. Das wiederum macht sie anfällig für Depressionen.

Ihre Wut ist oft nach innen statt nach außen gerichtet und äußert sich eher durch selbstverletzendes Verhalten oder auch suizidalem Verhalten. Sie wirken häufig eher niedergeschlagen und desillusioniert.

Der impulsive Borderliner

Ein impulsiver Borderline erscheint häufig charismatisch, voller Energie und als jemand, der Aufregung verspricht, aber auch als oberflächlich. Er langweilt sich sehr leicht und ist schnell frustriert und wütend, wenn er sich in seiner Wahrnehmung von anderen Menschen hintergangen, missverstanden oder im Stich gelassen fühlt.

Er mag Aufmerksamkeit, zeigt aber gleichzeitig antisoziale Tendenzen und versucht, Kontrolle über seine zwischenmenschlichen Interaktionen auszuüben, bei denen die Wünsche oder das Wohlbefinden der anderen Personen in den Hintergrund treten.

Wie der Name schon sagt, zeigt der impulsive Borderliner einen Mangel an Selbstkontrolle und er neigt dazu, die Konsequenzen seines Handelns nicht zu bedenken. Der Wunsch nach Aufmerksamkeit und die häufige Langeweile verleiten ihn zu riskanten Verhaltensweisen, z.B. Drogenmissbrauch ausschweifenden Sexualleben, was ihn anfällig für Unfälle und Verletzungen macht.

In vielen Aspekten zeigt der impulsive Borderliner Ähnlichkeiten zur histrionischen Persönlichkeitsstörung.

Der mürrische Borderliner

Der Name deutet schon an, was den mürrischen Borderliner ausmacht: Er ist reizbar, leicht frustriert und tendiert zu Wutausbrüchen. Es ist schwer, ihm etwas recht zu machen. Er ist ungeduldig mit anderen Menschen und ist schnell desillusioniert und frustriert, wenn er nicht das erhält, was er will.

Im Umgang mit anderen Menschen erscheint er oft starrsinnig und trotzig. Er schwankt zwischen dem Wunsch, sich mit anderen Menschen zu verbinden, und Ablehnung zwischenmenschlicher Kontakte aus Angst vor Enttäuschung. Ebenso schwankt er zwischen Gefühlen der Wertlosigkeit und Wut, die sich in heftigen Wutausbrüchen entladen kann.

Es fällt ihm schwer, einen Irrtum oder Fehler zuzugeben. Er ist sehr defensiv und passiv-aggressiv gegenüber Menschen, die ihm missfallen. Gleichzeitig kann er in einer Partnerschaft sehr liebevoll agieren, obgleich sein geringes Frustrationspotenzial und die Schwierigkeit, seinen Wünschen gerecht zu werden, für viele Konflikte sorgen.

Der selbstzerstörerische Borderliner

Der selbstzerstörerische Borderliner ist sich selbst sein ärgster Feind. Ihm mangelt es an einem stabilen Selbstwertgefühl und er ist auf andere Menschen angewiesen, ihm dieses Gefühl zu geben. Es ist dieser Typ der die für die Borderline-Persönlichkeitsstörung typische Angst vor dem Verlassenwerden am deutlichsten zu Tage treten lässt. Diese Angst kann im Umgang mit anderen Menschen schnell außer Kontrolle geraten und ihn zu gefährlichen Verhaltensweisen wie z. B. selbstverletzendem Verhalten oder ostentativen Selbstmordversuchen verleiten.

Er ist häufig launisch und voller Wut und Bitterkeit gegenüber anderen und gegenüber sich selbst. Er tendiert dazu, sich selbst zu sabotieren. Sein Selbsthass verleitet ihn zu selbstzerstörerischem Verhalten, z. B. mangelnder Achtsamkeit für die eigene Gesundheit, Rasen oder Fahren unter Alkoholeinfluss im Straßenverkehr, erniedrigenden Sexualpraktiken und Drogenmissbrauch.

Mehr zum Thema