Dopamin und Depressionen - ein Überblick

Welche Rolle spielt der Neurotransmitter Dopamin bei der Entwicklung einer Depression?

Dopamin und Depressionen - ein Überblick

Dopamin ist neben Serotonin und Noradrenalin einer der wichtigsten Neurotransmitter im menschlichen Gehirn, der im Falle einer Störung mit Depressionen, Angsterkrankungen und all ihren Begleiterscheinungen in Verbindung gebracht wird.

Dopamin wird umgangssprachlich auch das Glückshormon genannt aufgrund seiner Rolle im Belohnungssystem des Menschen. Dabei ist Dopamin aber primär nicht mit der tatsächlichen “Belohnung” für eine Handlung assoziiert, dem Glücksgefühl selbst, sondern mit der Erwartung einer Belohnung. Dementsprechend sollte man Dopamin eher das Motivationshormon nennen. Es führt nicht dazu, dass sich etwas gut anfühlt, sondern dass wir die Handlung, die zum Gut-Fühlen geführt hat, wiederholen wollen. Was wir heutzutage Alltagssüchte nennen, das ist Dopamin in Aktion. Exzessiver Pornographie-Konsum, Sexsucht, Glücksspiel, die Gier nach Zucker, Drogensucht, … das Hauptproblem an diesen Süchten ist der Drang, sie befriedigen zu wollen.

Dopamin und Depressionen

Die Rolle von Dopamin in der Ausbildung einer Depression ist ein wenig ambivalent, da sowohl ein Mangel als auch ein Überschuss als Ursachen für Depressionen angesehen werden.

Bei einem Dopamindefizit bzw. einer Desensibilisierung kann man Symptome beobachten, die einem depressiven Menschen bekannt vorkommen:

  • Niedergeschlagenheit
  • Antriebslosigkeit
  • Abgeschlagenheit und chronische Müdigkeit
  • Exzessives Prokrastinieren
  • Konzentrations- und Lernschwierigkeiten
  • Schlafstörungen
  • Libidoverlust</li<

Ursachen dafür können in einer falschen Ernährung oder Lebensweise liegen, in einer Störung der Dopaminrezeptoren im Zentralnervensystem oder in einer anderweitigen körperlichen Störung, die dazu führt, dass im Körper zu wenig Dopamin hergestellt oder zu früh abgebaut wird.

Seit einigen Jahren rückt auch die 'Überversorgung' mit Dopamin mehr und mehr ins Blickfeld der Forscher. In einem Tierversuch wurden beispielsweise Mäuse über längere Zeit einer erhöhten Dopaminzufuhr ausgesetzt. Dies wiederum führte zu einer Beeinträchtigung eines Proteins, das bei der Regulierung der Signalübertragung im Gehirn eine tragende Rolle spielt. Ergebnis: Die Mäuse wurden depressiv. Ebenso ist bekannt, dass Dopamin und Serotonin sich zumindest teilweise gegenseitig negativ beeinflussen. Eine Überversorgung mit Serotonin führt zu einer Unterversorgung mit Dopamin und eine ständiger Dopaminkick führt zu einem Abfall an verfügbarem Serotonin.

Dopamin und Ernährung

Der Körper stellt Dopamin hauptsächlich in der Nebenniere und bestimmten Teilen des Gehirns her. Das in mehreren Prozessen, aber großteils in folgenden Schritten:

  1. L-Phenylalanin wird zu L-Tyrosin umgewandelt.
  2. L-Tyrosin wird zu Levodopa (L-DOPA) umgewandelt
  3. Levodopa wird zu Dopamin umgewandelt

An diesem Prozess beteiligt sind mehrere weitere Stoffe, unter anderem:

  • Insulin (wichtig für den Transport ins Gehirn)
  • Folsäure (Vitamin B11)
  • Eisen
  • Vitamin B6

Dopamin wird außerdem weiter zum Neurotransmitter Noradrenalin umgewandelt, der eine wichtige Rolle in der Kampf-oder-Flucht-Reaktion spielt, die jedem mit Depression oder Angststörung belasteten Menschen nur zu bekannt sein sollte. Beteiligt an diesem Umwandlungsschritt sind unter anderem Kupfer, Vitamin C und Eisen.

Wie Serotonin kann auch Dopamin nicht die Blut-Hirn-Schranke überwinden. Wer sich mit Nahrungsergänzungsmitteln selbst behandelt, muss daher auf auf synthetisches L-Tyrosin oder Levodopa zurückgreifen. Wer generell seine Ernährung dopaminfreundlicher gestalten möchte, sollte auf Ackerbohnen, Mandeln, Avocados und Bananen zurückgreifen und auf Zucker und industriell verarbeitete Lebensmittel verzichten.

Dopamin und Lebenswandel

Wie eingangs erwähnt, spielt Dopamin eine wesentliche Rolle in der Regulierung von Motivation, Antrieb und damit letztlich auch negativen Gewohnheiten wie Drogen- oder Esssüchten. Die Sucht ist nicht das High der Droge, sondern dass man gelernt hat, wie man dieses High erzeugt, und der Drang, es sich wiederzuholen. In entsprechenden Tierversuchen zeigt sich, dass Dopamin ausgeschüttet wird, lange bevor die eigentliche “Belohnung” stattgefunden hat. Und aufgrund von Abstumpfungseffekten tendiert ein Mensch in der Dopaminfalle zu immer extremeren, exzessiveren Verhaltensweisen, um den Kick zu erhalten.

Aktuell vielfach diskutiertes Beispiel dafür ist exzessiver Pornographie-Konsum, unter dem dank der leichten Verfügbarkeit im Internet eine Vielzahl an Menschen leidet. Reichten dem Heranwachsenden noch ein Unterwäschekatalog und pubertäre Fantasie, muss es für den erwachsenen Betroffenen schon die Hardcore-Orgie mindestens dreimal am Tag sein. Das Reptiliengehirn im Menschen sieht: Das fühlt sich gut an. Lass uns merken, wie wir dahin gekommen sind, und dann lass es uns immer wieder machen.

Dieser Mechanismus, wenn vielleicht auch unbewusst, findet unter anderem in der Glücksspielindustrie Anwendung. Im Kasino gewinnt am Ende immer das Kasino. Wäre Dopamin rein mit der Belohnung, dem Gewinn, assoziiert, würde ein Kasino mit seinen Slotmaschinen Verlust machen. Slotmaschinen sind aber so konzipiert, dass sie die Erwartungshaltung in die Höhe treiben, durch Bonusrunden, durch Überladung mit optischen Effekten und so genannten Near-Miss-Events, Ereignissen, die so aussehen, als hätte man nur ganz knapp den Jackpot verpasst. Ständig passiert etwas, das so aussieht, als würde man gleich groß gewinnen. Der 'Spaß' im Kasino ist nicht so sehr der große Gewinn, sondern das Warten darauf.

Wenn du selbst merkst, dass du eine bestimmte, sich gut anfühlende Handlung exzessiv durchführst, bis zu einem Punkt, an dem du dich niedergeschlagen fühlst, wenn du diese Handlung nicht durchführst, dann steckst du eventuell in der Dopaminfalle und solltest etwas unternehmen. Sport treiben zum Beispiel. Auch das verhilft dir zum Kick, aber auf gesunde Weise. Sei dir bewusst, wie Dopamin funktioniert und wie es dich abhängig machen kann, bestimmte Handlungen ständig zu wiederholen, und arbeite gegen den Drang an, zum Beispiel mit regelmäßiger Meditation oder Aufmerksamkeitsübungen, in denen du mal genau hinschaust, wenn dich der Drang packt: Was genau passiert da gerade? Was hat dich in diese Stimmung gebracht?

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