Die 3 Stufen in der Entwicklung eines verdeckten Narzissten

Verdeckter Narzissmus kommt in verschiedenen Ausprägungen daher. Hier ein Modell, das verdeckte Narzissten in drei grobe Gruppen unterteilt.

Die 3 Stufen in der Entwicklung eines verdeckten Narzissten

Im Kern einer narzisstischen Persönlichkeit steckt ein sehr fragiles, leicht verletzliches Selbstbild. Narzisstische Überzeugungen und narzisstisches Handeln sind in gewisser Weise darauf angelegt, dieses Selbstbild zu schützen.

Man unterscheidet zwei Arten des Narzissmus: den grandiosen und den verdeckten oder auch verletzlichen Narzissten. Der erste Typ entspricht im Wesentlichen dem Alltagsklischee des Narzissten: selbstherrlich, arrogant, extravertiert, nach Aufmerksamkeit und Lob heischend, rücksichtslos und oberflächlich. Der verdeckte Narzisst hingegen ist eher introvertiert und leise. Er kann als rücksichtsvoller, netter Mensch auftreten, dessen innere Abgründe erst bei engerem, länger anhaltenden Kontakt zum Vorschein treten. Er ist im Grunde ein Mensch, der sich seiner selbst schämt.

Beide Formen des Narzissmus sind an sich keine anerkannten psychischen Störungen. Eine gewisse Portion an Narzissmus steckt in jedem von uns als Überbleibsel des kindlichen Narzissmus, den wir in jungen Jahren an den Tag legten. In extremer Ausprägung kann der grandiose Narzissmus umschlagen in die narzisstische Persönlichkeitsstörung, die tatsächlich eine anerkannte Diagnose ist. Für extremen verdeckten Narzissmus existiert eine solche Diagnose (noch) nicht. Es gibt Stimmen, die verdeckten Narzissmus in der Nähe der Borderline-Persönlichkeitsstörung sehen. Andere plädieren dafür, die Definition der narzisstischen Persönlichkeitsstörung zu erweitern.

Wie eingangs erwähnt sind narzisstisches Denken und Handeln ein Schutzmechanismus, der darauf ausgelegt ist, das fragile Selbstbild des Narzissten vor Verletzungen zu schützen. Nicht nur gehen der grandiose und verdeckte Narzisst dabei sehr unterschiedlich vor, auch innerhalb von beiden Gruppen gibt es verschiedene Ausprägungen und Typen. Im Folgenden schauen wir uns einmal ein Modell an, das die Entwicklung bzw. den Schweregrad von verdecktem Narzissmus in drei Stufen unterteilt.

Stufe 1: Der hypersensitive Introvertierte

Am Ausgangspunkt von verdecktem Narzissmus steht der hypersensitive Introvertierte. Er ist, wie der Name schon andeutet, ein schüchterner, gehemmter Mensch. Er sehnt sich nach Anerkennung und danach, von anderen wahrgenommen und akzeptiert zu werden, hat aber gleichzeitig eine so negative Sicht auf sich selbst und die Welt, dass es ihm unmöglich ist, anderen Menschen auf Augenhöhe zu begegnen.

Der hypersensitive Introvertierte tendiert dazu, sich als ungenügend und fehlerhaft zu empfinden, steht sich damit oft selbst im Wege. Dabei ist zu beachten, dass er sich nicht grundsätzlich als unterlegen empfindet, sondern als jemand, der theoretisch ein besserer, gar anderen überlegener Mensch ist, dies praktisch aber nicht zeigen und ausleben kann.

Er ist sehr sensibel gegenüber Kritik und fühlt sich schnell zurückgewiesen und als Außenseiter. In seinen Augen ist er grundlegend anders als andere Menschen.

Zu einem gewissen Grade hasst er sich selbst für seine vermeintlichen Unzulänglichkeiten und die Unfähigkeit, die großartige Person zu sein, die er in seinen Augen sein könnte. Er trägt aber auch eine Abneigung, nicht selten Hass und Verachtung für die Menschen, die ihn vermeintlich zurückgewiesen haben oder ihn in seinen Augen daran gehindert haben, sein Potenzial und seine Möglichkeiten auszuschöpfen.

Stufe 2: Der neidische Schuldzuweiser

Als Konsequenz aus der gefühlten Zurückweisung und dem Gefühl, nicht die Person zu sein, die er sein könnte, entwickelt der hypersensitive Introvertierte die Überzeugung, die man am ehesten wohl als das Klischee des verkannten Genies beschreiben könnte. Die Welt unterschätzt ihn. Die Welt erlaubt es ihm nicht, die in ihm schlummernden Talente zu entwickeln und ein erfülltes Leben zu führen. Unter Umständen gelangt er sogar zu der Überzeugung, dass andere Menschen ihn aktiv sabotieren.

Er sieht sich als Opfer, das keine Verantwortung für die von ihm empfundenen eigenen Unzulänglichkeiten.

Gleichzeitig entwickelt er einen starken Neid oder eine Eifersucht auf die Errungenschaften anderer Menschen. Er kann Leistungen anderer Menschen nicht anerkennen. Sein Anliegen ist, sich selbst davon zu überzeugen, dass niemand besser ist als er. Entweder sind Errungenschaften anderer nichts wert oder er selbst wäre auch zu diesen Errungenschaften in der Lage, doch externe Kräfte haben ihn daran gehindert, diese Errungenschaften selbst zu erreichen.

Während der verletzliche Narzisst auf Stufe 1 noch die Möglichkeit hatte zu erkennen, dass der einzige Mensch, der ihn wirklich sabotiert, er selbst ist, hat er auf Stufe 2 den Kontakt zur Wirklichkeit schon deutlich verloren.

Da der verdeckte Narzisst selten den Mut aufbringt, die Menschen zu konfrontieren, von denen er glaubt, sie würden ihn davon abhalten, seine innere Großartigkeit in der Welt zu zeigen, sucht er sich an dieser Stelle einen Sündenbock, auf den er alle Schuld abladen kann. Das ist oft der Lebenspartner, der stellvertretend für alle anderen Menschen tyrannisiert und herabgewürdigt wird. Ist es nicht der Lebenspartner, dann sind es die Kinder oder ein anderer Mensch, der sich nicht ausreichend zu Wehr setzen kann, weil er zum Beispiel selbst mit psychischen Problemen wie Depressionen zu kämpfen hat.

Sobald etwas schief läuft im Leben des verdeckten Narzissten, wendet er sich dem Sündenbock zu und entlädt seinen Frust und seine Aggression auf diesen. Der Sündenbock wird bestraft für die Verletzungen, die die Welt dem Narzissten vermeintlich zugefügt hat.

Stufe 2 ist für fast alle verdeckten Narzissten die letzte Stufe. Sie werden zu frustrierten, manipulativen, hinterhältigen, für nahe stehende Menschen sehr unangenehmen A***löchern.

Stufe 3: Der Rächer

Die dritte und letzte Stufe in der Entwicklung des verletzlichen Narzissten wird nur in Extremfällen erreicht. An dieser Stelle hat die Person komplett den Bezug zur Realität verloren und zum Narzissmus kommt ein gewisse psychopathische Komponente hinzu. Er legt es nicht mehr nur darauf an, andere Menschen bzw. den von ihm erwählten Sündenbock zu tyrannisieren. Er ist darauf aus, seine Feinde zu zerstören.

Der Rächer ist in einem Wahn gefangen, in dem er sich im Recht sieht, sich an der Gesellschaft und an jedem zu rächen, der ihn zurückgewiesen oder herabgewürdigt hat. Das beinhaltet auch die Überzeugung, dass es legitim sei, Straftaten zu begehen. Wenn ein Mensch diese Stufe erreicht, dann hat er sich meist komplett von seiner Umwelt abgekapselt. Er verbringt seine Zeit allein, häufig damit Rachefantasien nachzuhängen. Kommt es in dieser Situation zu einer Lebenskrise, zum Beispiel dem Verlust der Arbeit oder den Bruch einer Beziehung, dann kann es zu Gewaltausbrüchen oder sogar Morden kommen.

Weiterführende Links