Symptome und Anzeichen einer narzisstischen Persönlichkeitsstörung

Narzissmus ist ein allgegenwärtiges Muster von Selbstherrlichkeit, Großmannssucht, Geltungsbedürfnis und mangelnder Empathie.

Symptome und Anzeichen einer narzisstischen Persönlichkeitsstörung

Unter Narzissmus als Persönlichkeitsmerkmal versteht man allgemein eine übermäßige Selbstliebe und Überschätzung der eigenen Fähigkeiten gepaart mit einem auffälligen Bedürfnis nach externer Anerkennung. In der griechischen Mythologie war Narziss ein Mann, der sich in sein Spiegelbild verliebte. Diese Form des Narzissmus nennt sich grandioser Narzissmus und zu einem gewissen Grade hat jeder Mensch hin und wieder derartige narzisstische Tendenzen, was auch durchaus gesund ist.

Unter der narzisstischen Persönlichkeitsstörung NPS hingegen versteht man eine Persönlichkeitsstörung, ein über die Zeit konstantes Denk- und Verhaltensmuster, in dem der grandiose Narzissmus dominiert und zu Problemen im Leben des Betroffenen führen kann.

Symptome und Anzeichen einer narzisstischen Persönlichkeitsstörung

Während das Diagnose-Handbuch ICD der WHO nur sehr unspezifisch auf die Charakteristiken von NPS eingeht, wird die narzisstische Persönlichkeitsstörung im amerikanischen Diagnose-Handbuch DSM-5 definiert als ein allgegenwärtiges Muster von Grandiosität (in Denken oder Verhalten), ein ständiges Bedürfnis nach Bewunderung und ein mangelndes Einfühlungsvermögen in die Gefühle, Motive und Bedürfnisse anderer Menschen.

Vom Vorliegen einer narzisstischen Persönlichkeitsstörung wird dem DSM-5 nach ausgegangen, wenn mindestens fünf der folgenden Kriterien erfüllt sind:

  • Ein überbordendes Gefühl von Selbstherrlichkeit und Wichtigkeit (übertreibt z. B. eigene Leistungen und Talente und erwartet Bewunderung von anderen Menschen, ohne dafür etwas geleistet zu haben)
  • Übermäßige Beschäftigung mit Fantasien von unbegrenztem Erfolg, Macht, Genialität, Schönheit oder idealer Liebe.
  • Der Glaube daran, besonders oder einzigartig zu sein und dass nur andere besondere oder herausstehende Persönlichkeiten einen verstehen können oder man nur mit solchen umgehen sollte.
  • Ein starkes Bedürfnis danach, von anderen bewundert zu werden.
  • Ein starkes Anspruchsdenken.
  • Ein ausbeuterisches, manipulativen Verhalten im Umgang mit anderen Menschen.
  • Ein Mangel an Empathie.
  • Häufiger Neid auf andere oder der Glaube, dass andere neidisch auf einen selbst sind.
  • Häufiges Zeigen von arroganten und hochmütigen Verhaltensweisen oder Einstellungen.

Ursachen von Narzissmus

Mehr Männer als Frauen sind von einer narzisstischen Persönlichkeitsstörung betroffen. Sie bildet sich oft im Jugendalter oder im frühen Erwachsenenalter heraus. Zu beachten ist dabei, dass Kinder Merkmale von Narzissmus zeigen können, dies aber einfach typisch für ihr Alter sein kann und nicht bedeutet, dass sie später eine narzisstische Persönlichkeitsstörung entwickeln werden.

Als Risikofaktoren gelten genetische Faktoren und ein gestörtes soziales Umfeld. Dazu zählen zum Beispiel:

  • Man ist mit einem überempfindlichen Temperament geboren.
  • Manipulatives Verhalten von Eltern oder Kollegen.
  • Fortwährendes übermäßiges Gelobtwerden für gutes Verhalten und extremes Kritisiertwerden für schlechtes Verhalten.
  • Kindesmissbrauch.
  • Unzureichende Zuwendung im Elternhaus.
  • Das fortgesetzte Erleben übermäßiger Bewunderung ohne jedes realistisches Feedback, das mit den Tatsachen im Einklang steht.
  • Narzisstische Eltern.

Behandlung von NPS

Das Leben mit einer narzisstischen Persönlichkeitsstörung beeinflusst den Alltag eines Betroffenen auf negative Weise. Er leidet darunter, wenn er nicht die Bewunderung oder Sonderbehandlung erhält, die ihm in seinen Augen zusteht. Es fällt ihnen sehr schwer, eine erfüllte romantische Beziehung zu führen. Vielmehr sind Beziehungen häufig geprägt von Anspruchsdenken, Enttäuschungen, Manipulation und einem Teufelskreis von Bewunderung und Abwertungen des Partners.

Obwohl Narzissten den Hang haben, sich für unwiderstehlich zu halten, treffen sie doch oft auf das Problem, das andere Menschen ihre Nähe als unangenehm empfinden. Ein unerfülltes, frustrierendes Sozial- und Arbeitsleben sind die Folge.

Gleichzeitig ist eines der Probleme bei der Behandlung der narzisstischen Persönlichkeitsstörung, dass ein Betroffener nur schwerlich zur Einsicht gelangt, dass der Grund seiner Probleme in ihm selbst liegt, dass es nicht die Unzulänglichkeiten der Welt oder der Menschen um ihn herum sind, die ihn unerfüllt und rastlos fühlen lassen.

Und selbst wenn die Einsicht vorliegt, dass man ein Problem hat, und den Weg zum Psychotherapeuten geht, kann sich die Behandlung lange hinziehen. Da sich die Behandlung auf Persönlichkeitsmerkmale konzentriert, die über den Lauf der Zeit ziemlich konstant sind, kann es vieler Jahre Psychotherapie bedürfen, bis ein Durchbruch gelingt.

Im Zentrum der Behandlung von NPS steht eine Psychotherapie oder Gesprächstherapie. Sie konzentriert sich darauf, die Fähigkeit zu erlernen, Verantwortung für das eigene Handeln zu übernehmen, mit Kritik umzugehen, realistische Ziele zu verfolgen, und auf gesunde, erfüllende Weise mit anderen Menschen zu interagieren.

Der verdeckte oder verletzliche Narzisst

Die narzisstische Persönlichkeitsstörung in ihrer aktuellen Definition steht mehr oder weniger mit dem grandiosen Narzissmus-Typ überein. Es gibt aber eine zweite Form: den heimlichen, verdeckten, verletzlichen Narzissten. 

Der verletzliche Narzisst scheint stellenweise ganz das Gegenteil zum grandiosen Narzissten. Er ist nicht derjenige, der sich ostentativ in Mittelpunkt stellen muss. Er kann sogar eher schüchtern und zurückhaltend sein. Doch auch in ihm steckt ein sehr überzogenes Selbstbild, nur äußert sich das anders.

Den heimlichen Narzissten macht aus, dass sein Narzissmus versteckt ist. Auch er hat ein gestörtes Selbstbild in dem Sinne, dass er andere Menschen braucht, um sich selbst als wertvoll zu fühlen. Und typisch für ihn ist das Gefühl, dass er nie das erhält, was ihm zusteht. Die Welt und seine Mitmenschen sind ungerecht zu ihm. Was auch immer schiefläuft, sehr wahrscheinlich ist er das Opfer und niemals Ursache oder Täter.

Während ein "offener" Narzisst eher aggressiv, selbstverherrlichend, ausbeuterisch auftritt und Anzeichen von extremem Größenwahn und ein starkes Bedürfnis nach Aufmerksamkeit zeigt, sind verdeckte Narzissten anfälliger für Gefühle von Vernachlässigung oder Abwertung, Überempfindlichkeit, Angst und Verfolgungswahn. Der verborgene Narzisst wird daher auch als "hypersensibler Narzisst" bezeichnet.

Der heimliche Narzisst kann ein ausgeprägter Charmeur sein und Menschen für sich einnehmen. Geht er eine romantische Beziehung ein, dann sind die ersten Monate dieser Beziehung geprägt von überbordenden Liebesbeweisen, lustvollem, ausgefallenem, häufigen Sex. Schnell öffnet er sein Innerstes und teilt emotionale Erlebnisse und seine tiefsten Gedanken und vermittelt einem das Gefühl, man habe endlich seinen Seelenpartner gefunden.

Jedoch sobald man dem heimlichen Narzissten verfallen ist, beginnt ein Zyklus von starker Abwertung und Aufwertung. Mal wird der Narzisst den Partner wie ein sprichwörtliches Stück Dreck behandeln, um ihn dann später mit neuerlichen Liebesschwüren und extremer Aufmerksamkeit wieder näher an sich heranzuziehen. Dieses Spiel kann sich über Jahre oder auch Jahrzehnte hinziehen.

Ein heimlicher Narzisst kann nur sehr schwer mit Ablehnung oder Kritik umgehen. Selbst das kleinste Anzeichen von Zurückweisung oder auch nur ein falscher Witz können ihn immens verletzen und depressive Gefühle oder auch Wut auslösen - Wut, die selten offen gezeigt wird oder gar in Gewalt ausartet, sondern sich durch passiv-aggressive Verhaltensweisen und Bemerkungen ausdrückt. 

Der toxische Narzisst

Eine dritte, nicht übermäßig gebräuchliche dritte Kategorie ist die des toxischen Narzissten. Diesen Typ zeichnet sich dadurch aus, dass er sich nicht einfach nur für überlegen hält, sondern dass er aktiv daran arbeitet, dass die Menschen in seiner Umgebung sich ihm unterlegen fühlen.

Der toxische Narzisst sabotiert das Leben anderer Menschen in seinem Umfeld, um sicherzustellen, dass sie keinen Erfolg haben und ihm nicht zur Konkurrenz gereichen. Er zeigt wenig Mitgefühl und ist ein Meister darin, andere Menschen schlecht zu machen. Er lügt, manipuliert, sabotiert, kreiert Drama und Chaos und steht mit einem Bein schon auf der Seite der dissozialen Persönlichkeitsstörung.

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