Was ist eine Persönlichkeitsstörung? Definition und Arten

Was ist die Definition einer Persönlichkeitsstörung und wodurch zeichnen sich die 10 Arten von Persönlichkeitsstörungen aus?

Was ist eine Persönlichkeitsstörung? Definition und Arten

Die Persönlichkeit eines Menschen ist die ihm ganz eigene Art, wie er fühlt, denkt und sich verhält. Ob wir in einem Film weinen, ob uns beim Anblick eines Stück Kuchens das Wasser im Munde zusammenläuft, unsere Moralvorstellungen, unsere Vorliebe für bestimmte Beziehungsformen, wie wir uns ausdrücken und frei heraus sagen, was wir denken, oder eben auch nicht, all das und noch viel mehr ist unsere Persönlichkeit.

Unsere Persönlichkeit wird wird geformt durch Erfahrungen, die Lebenssituationen, durch die wir gehen, die Menschen, die wir treffen, und auch zu einem Punkt wird sie vererbt. Auch wenn sich die Persönlichkeit auch in späteren Lebensjahren weiterentwickelt und verändert, so wird sie doch zum großen Teil in der Kindheit und Jugend geformt. Ob jemand schüchtern ist, bestimmt sich in seiner Kindheit. Es ist nicht unmöglich, diese Eigenschaft später loszuwerden, aber jeder schüchterne Mensch weiß, wie hart es ist, Schüchternheit zu verlernen.

Eine Persönlichkeitsstörung ist ein Muster von Denken, Fühlen und Verhalten, das auf eine gravierende Weise gegen die Erwartungen der Gesellschaft, Kultur, Umgebung verstößt. Häufig bringt sie Leiden für den Betroffenen mit sich und starke Probleme im zwischenmenschlichen, beruflichen oder anderen wichtigen Bereichen des täglichen Lebens zu funktionieren.

Eine Persönlichkeitsstörung bildet sich in der Kindheit und frühen Jugend heraus. Sie ist nicht das Resultat von Drogenmissbrauch und nicht einer körperlichen Erkrankung oder Verletzung des Gehirns. Sie ist über lange Zeit stabil, meist mit Einschränkungen ein Leben lang, und sie recht starr in ihren Mustern. Ein Betroffener hat ein festes Repertoire an Verhaltensweisen und kann selten anders handeln als wie durch dieses Repertoire vorgeschrieben.

Man sieht das Problem: Wie man es auch dreht und wendet, letztlich sagt die Definition für Persönlichkeitsstörungen, dass jemand in diesem Sinne als psychisch krank ist, wenn er anders ist und nicht in diese Gesellschaft passt.

Jede der 10 heutzutage definierten Persönlichkeitsstörungen hat ihre Berechtigung. Die Betroffenen leiden oder können nicht das Leben führen, das sie gerne führen würden, oder wie z. B. im Falle der antisozialen Persönlichkeitsstörung sind auch eine Gefahr für andere Menschen und die Gesellschaft.

Dennoch sollte man immer im Hinterkopf behalten, dass Persönlichkeitsstörung an seiner Basis heißt: Da ist jemand anders.

Cluster A: Die sonderbaren, exzentrischen Persönlichkeitsstörungen

Diese Gruppe umfasst drei Störungsbilder:

  • Paranoide PS
  • Schizoide PS
  • Schizotypische PS

Menschen mit einer Cluster A-Persönlichkeitsstörung wirken oft seltsam und exzentrisch. Sie pflegen wenig soziale Kontakte und leben oft zurückgezogen.

Paranoide Persönlichkeitsstörung

Die paranoide Persönlichkeitsstörung ist gekennzeichnet durch ein allgegenwärtiges Misstrauen gegenüber anderen Menschen. Betroffene gehen davon aus, dass andere Menschen darauf aus sind, ihnen zu schaden, sie auszunutzen oder sie zu demütigen.

Sie verwenden viel Zeit darauf, sich vor diesen vermeintlichen Gefahren zu schützen und andere Menschen auf Abstand zu halten. Wenn sie sich bedroht fühlen, kommt es auch häufiger vor, dass sie präventiv angreifen. Sie sind nachtragend, prozesssüchtig, sehr eifersüchtig und schnell dabei, ihren romantischen Partner der Untreue zu verdächtigen.

Sie neigen dazu, auch in kleinste, unbedeutende Äußerungen oder Begebenheiten ein tiefere, böswillige Absicht hineinzulesen.

Schizoide Persönlichkeitsstörung

Die schizoide Persönlichkeitsstörung zeichnet sich durch ein allgegenwärtiges Muster sozialer Distanz und eingeschränkter Emotionalität aus.

Betroffene leben sozial isoliert und haben wenig Interesse an anderen Menschen außerhalb vielleicht direkt Verwandten. Lob und Kritik sind ihnen egal. Sex ist selten von Interesse. Sie zeigen wenig Emotionen, wirken kalt und distanziert. Im Gegenzug haben sie auch Probleme, Details sozialer Situationen zu deuten, was sie oberflächlich und sozial inkompetent erscheinen lässt.

Die schizoide Persönlichkeitsstörung ist nicht gleichbedeutend mit Schizophrenie. Zudem tritt sie eher selten auf.

Schizotypische Persönlichkeitsstörung

Die schizotypische Persönlichkeitsstörung hat viel gemein mit der schizoiden Persönlichkeitsstörung. Betroffene haben eine verminderte Fähigkeit zur Ausbildung engerer zwischenmenschlicher Beziehungen. Sie leben in der Regel sozial isoliert und sind in ihrer Emotionalität eingeschränkt, wirken oft kalt, misstrauisch, distanziert, aber auch exzentrisch und schrullig.

Im Gegensatz zur schizoiden Persönlichkeitsstörung erleben Betroffene auch Verzerrungen in ihrer Wahrnehmung und in ihrem Denken. Das kann das Wahrnehmen von Lichtblitzen oder Objekten im Augenwinkel sein. Das kann Episoden von Depersonalisation (das Gefühl sich selbst fremd zu sein) oder Derealisation (das Gefühl die Welt sei einem fremd) beinhalten.

Menschen mit schizotypischer Persönlichkeitsstörung haben seltsame Überzeugungen. Zum Beispiel können sie glauben, dass sie die Gedanken anderer Menschen lesen können, oder dass ihre eigenen Gedanken aus ihren Köpfen gestohlen werden. Sie neigen zu magischen Denken.

Unter Umständen kann eine schizotypische Persönlichkeitsstörung zu einer akuten Schizophrenie entwickeln.

Cluster B: Die dramatisch-emotionalen Persönlichkeitsstörungen

Diese Gruppe umfasst vier Störungsbilder:

  • Borderline PS
  • Narzisstische PS
  • Histrionische PS
  • Antisoziale bzw. dissoziale PS

Menschen mit einer Cluster B-Persönlichkeitsstörung haben Probleme, mit ihren Gefühlen umzugehen. Sie neigen zu Gefühlsextremen, impulsivem Verhalten und zwischenmenschlichen Beziehungen, die zwischen Extremen von Zuneigung und Ablehnung schwanken.

Borderline Persönlichkeitsstörung

Menschen mit Borderline-Persönlichkeitsstörung neigen zu sehr intensiven Emotionen, die von starken Stimmungsschwankungen geprägt sind. Sie haben Probleme, ihre Gefühle unter Kontrolle zu halten und nicht weniger Menschen mit Borderline, wenngleich nicht alle, neigen zu heftigen Wutausbrüchen. Betroffene neigen zu impulsivem Verhalten, zu Drogenmissbrauch, sexuell ausschweifendem Verhalten, zu Selbstverletzung, Fressattacken und einer Vielzahl anderer extremer und ungesunder Verhaltensweisen, die darauf abzielen, sich im akuten Moment zu beruhigen, ihnen auf lange Sicht aber Schaden zufügen.

Typisch für Borderline ist ein ständiges Gefühl der inneren Leere, ein gestörtes Selbstbild, in dem der Betroffene nicht erkennen kann, was oder wer er in diese Welt darstellen soll, und ein Beziehungsverhalten zu romantischen Partnern, das übermäßiger Idealisierung, großen Verlassensängsten und starker Abwertung schwankt.

Ausführlicher Artikel zur Borderline-Persönlichkeitsstörung

Selbsttest: Habe ich eine Borderline-Persönlichkeitsstörung?

Narzisstische Persönlichkeitsstörung

Die narzisstische Persönlichkeitsstörung ist ein über die Zeit stabiler grandioser Narzissmus. Zu den typischen Symptomen gehört ein übermäßiges Verständnis der eigenen Wichtigkeit bis hin zum Größenwahn. Der Narzisst möchte bewundert werden. Gleichzeitig hat er wenig Mitgefühl mit anderen Menschen und neigt zu ausbeuterischem, manipulativen Verhalten.

Er hat ein starkes Anspruchsdenken, ist arrogant und hochmütig. Auch neigt er dazu, andere Menschen um ihre Errungenschaften zu beneiden, oder er ist der Auffassung, andere Menschen würden ihn beneiden.

Ausführlicher Artikel zur Narzisstischen Persönlichkeitsstörung

Selbsttest: Habe ich eine Narzisstische Persönlichkeitsstörung?

Histrionische Persönlichkeitsstörung

Menschen mit histrionischer Persönlichkeitsstörung sind sehr emotional und gieren nach Aufmerksamkeit. Ihr Leben ist in ihren Augen voller Dramatik, was sich z. B. in einer eher theatralischen Ausdrucksweise niederschlägt, die aber gleichzeitig oft als oberflächlich und aufgesetzt wahrgenommen wird.

Sie sind süchtig danach, im Zentrum der Aufmerksamkeit zu stehen. Um dieses Ziel zu erreichen, sind sie häufig auffällig gekleidet und benutzen sexuelle Reize, um die Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen. Wird ihnen Aufmerksamkeit verwehrt, führt das leicht zu depressiven Verstimmungen.

Typisch für Menschen mit histrionischer Persönlichkeitsstörung ist, dass sie zudem sehr unstet in ihren Überzeugungen und leicht durch andere Menschen beeinflussbar sind. Zudem haben sie die Tendenz ihre Beziehung zu anderen Menschen als intensiver, intimer einzuschätzen, als sie tatsächlich sind.

Selbsttest: Habe ich eine Histrionische Persönlichkeitsstörung?

Antisoziale Persönlichkeitsstörung

Menschen mit antisozialer bzw. dissozialer Persönlichkeitsstörung zeigen wenig Respekt vor sozialen Normen und Gesetzen. Sie kommen zum Beispiel häufiger mit dem Gesetz in Konflikt.

Sie neigen zu leichtsinnigem, rücksichtslosen und häufig auch aggressivem Verhalten. Sie lügen, manipulieren, täuschen, nutzen andere Menschen aus und haben generell wenig Mitgefühl mit anderen Menschen.

Neben dem Desinteresse für das geistige und körperliche Wohl anderer Menschen bringen sie sich auch selbst oft in gefährliche oder riskante Situationen. Sie reagieren häufig auf impulsive Triebe, ohne die Folgen zu bedenken. Dieser Mangel an Impulskontrolle führt oft zum Arbeitsplatzverlust, zu Unfällen, Konflikten mit dem Gesetz und auch Gefängnisaufenthalten. Es mangelt ihnen zudem an der Fähigkeit, Reue oder Schuld zu empfinden.

Mehr zur antisozialen Persönlichkeitsstörung

Cluster C: Die ängstlich-vermeidenden Persönlichkeitsstörungen

Diese Gruppe umfasst drei Störungsbilder:

  • Vermeidende PS
  • Abhängige PS
  • Zwanghafte PS

Menschen mit einer Cluster C-Persönlichkeitsstörung fühlen sich häufig hilflos und abhängig von anderen Menschen. Ihr Gefühlsleben ist von Angst bestimmt und ihre zwischenmenschlichen Beziehungen von der Sorge vor Ablehnung oder dem Verlassen-Werden. Kritik oder Zurückweisung kann sie schnell verletzen und in Konfliktsituationen tendieren sie zu passiv-aggressivem Verhalten.

Vermeidende Persönlichkeitsstörung

Die vermeidende Persönlichkeitsstörung zeichnet sich aus durch ein allgegenwärtiges Gefühl der Unzulänglichkeit, durch ein Überempfindlichkeit gegenüber Kritik und negativen Bewertungen und durch eine generelle Gehemmtheit in sozialen Situationen.

Menschen mit dieser Erkrankung haben oft große Angst, von anderen verspottet, zurückgewiesen oder kritisiert zu werden. Das führt zu einem Vermeidungsverhalten, bei dem Betroffene sozialen Situationen nach Möglichkeit aus dem Weg gehen, insbesondere wenn sich diese Situation sich in einem ihnen nicht vertrauten Umfeld abspielt oder es sich um Menschen handelt, die sie nicht kennen. Menschen mit vermeidender Persönlichkeitsstörung haben oft ein sehr begrenztes soziales Leben mit einem kleinen Kreis von Freunden und Vertrauten.

Ihre Art, die Welt zu betrachten und zu interpretieren, ist bestimmt von Gedanken, dass sie nicht gut genug seien und von anderen Menschen nicht gemocht zu werden. Sie halten sich für unattraktiv und sozial unfähig. Soziale Interaktionen sind häufig von Angst bestimmt, was es ihnen noch einmal schwerer macht, Freunde zu gewinnen, Partnerschaften zu schließen oder sich im beruflichen Umfeld durchzusetzen.

Abhängige Persönlichkeitsstörung

Wie der Name schon nahelegt, besitzen Menschen mit abhängiger Persönlichkeitsstörung ein starkes Bedürfnis, dass andere Menschen sich um sie kümmern. Sie fühlen sich hilflos und als ob sie allein nicht funktionieren könnten. Sie haben ein geringes Selbstvertrauen und besitzen meist eine melancholisch-depressive Grundstimmung.

Diese Abhängigkeit von anderen Menschen führt zu großen Verlustängsten, aber auch zu einem Verhalten der Unterwürfigkeit und Selbstverleugnung. In Konfliktsituationen sind sie eher bereit, den Wünschen des Gegenübers nachzugeben, als für ihre eigenen Wünsche einzustehen. Das macht sie anfällig für Ausnutzung und Missbrauch.

Sie haben Schwierigkeiten, Entscheidungen zu treffen, und haben Problem, komplexere Aufgaben ohne fremde Hilfe zu erledigen. In romantischen Beziehungen klammern sie und verwenden viel Zeit und Anstrengung darauf, es dem Partner recht zu machen.

Zwanghafte Persönlichkeitsstörung

Das Leben von Menschen mit zwanghafter Persönlichkeitsstörung dreht sich um Regeln, Vorschriften, Ordnung, um Perfektionismus und Kontrolle.

Betroffen tendieren zum Beispiel dazu, ständig Todo-Listen und Zeitpläne zu entwerfen. Sie verwenden viel Zeit auf berufliche Tätigkeit, da ihre starre Fixierung auf das Ideale und das Perfekte meist dazu führt, dass sie die aktuelle Realität und ihre eigene Arbeit als unzulänglich betrachten. Sie haben perfektionistische Tendenzen und sind in ihrer Arbeit so sehr darauf bedacht, alles perfekt zu machen, dass sie häufiger nicht in der Lage sind, Projekte oder bestimmte Aufgaben zu Ende zu bringen, weil sie sich in den Details verlieren und den Wald vor lauter Bäumen nicht sehen. Zudem sind sie selten in der Lage, Aufgaben an andere zu delegieren, aus Sorge, diese würden die Aufgabe fehlerhaft erledigen.

Menschen mit dieser Persönlichkeitsstörung werden oft als unflexibel, streng, kontrollierend und hartnäckig wahrgenommen.