Postpartale und postnatale Depression – Anzeichen und Symptome

Was sind die Anzeichen und Symptome einer Wochenbettdepression, auch postpartale oder postnatale Depression genannt?

Postpartale und postnatale Depression – Anzeichen und Symptome

Viele Frauen durchleben nach der Geburt eines Kindes eine sogenannte Wochenbettdepression, auch postnatale oder postpartale Depression genannt. Weniger bekannt ist, dass, wenngleich deutlich seltener, auch Männer davon betroffen sein können.

Mütter mit postpartaler Depression erleben Gefühle von extremer Traurigkeit, Angst und Erschöpfung, was es ihnen erschwert, ihren Tagesablauf zu regeln und sich (in ihren Augen) adäquat um das Neugeborene zu kümmern.

Häufig ist diese Form der Depression vorübergehend und bedarf keiner Behandlung.

Unterschied zwischen Babyblues und Wochenbettdepression

Der sogenannte Babyblues ist eine leichte Form der postnatalen Depression und wird nicht als Krankheit angesehen. Die Symptome des Babyblues sind Stimmungsschwankungen, Weinkrämpfe, anhaltende Erschöpfung, ein anhaltendes Gefühl tiefer Traurigkeit, Sorgen und zwanghaftes Grübeln, Schlafstörungen und innere Unruhe, sowie Angstattacken und ein gestörter Appetit.

Die Symptome des Babyblues treten meist in den ersten Wochen nach der Geburt auf und klingen innerhalb kurzer Zeit, häufig sogar innerhalb weniger Tage wieder ab, im Regelfall innerhalb von ein bis zwei Wochen.

Auch wenn belastbare Zahlen fehlen, geht man davon aus, dass bis zu 80 % aller Frauen vom Babyblue getroffen werden. Ein Neugeborenes erfordert viel Aufmerksamkeit, Zeit und Pflege. Gefühle von Erschöpfung und Stressreaktionen sind daher als normal anzusehen.

Eine postpartale Depression beginnt dort, wo die Symptome länger anhalten und sich deutlicher bemerkbar machen.

Symptome einer postpartalen Depression

Die häufigsten Symptome einer postpartalen bzw. postnatalen Depression sind unter anderem:

  • Anhaltende Traurigkeit und Hoffnungslosigkeit
  • Innere Leere und das Gefühl von Überforderung
  • Weinkrämpfe
  • Innere Unruhe und Reizbarkeit
  • Stimmungsschwankungen inklusive überzogenen Wutausbrüchen
  • Schlafstörungen und die Unfähigkeit einzuschlafen, auch wenn das Baby schläft
  • Verlust des Interesses an Aktivitäten, die in der Regel Spaß machen
  • Kopfschmerzen, Verdauungsprobleme und Muskelschmerzen
  • Erhöhter oder verringerter Appetit
  • Rückzug ins Private und Vermeidung von sozialen Kontakten
  • Probleme, sich auf das Baby einzulassen und eine emotionale Verbindung aufzubauen
  • Häufiges Grübeln und Zweifeln an der eigenen Fähigkeit, sich um das Baby kümmern zu können
  • Der Gedanke daran, sich oder dem Baby etwas anzutun

Man geht davon aus, dass etwa 10 % bis 20 % aller Frauen eine postpartalen Depression entwickeln, die in Schwere oder Dauer über den Babyblues hinausgeht und eine Behandlung notwendig macht.

Ursachen einer postpartalen Depression

Die postpartale Depression hat keine klar definierte Ursache, sondern ist wahrscheinlich das Ergebnis mehrerer physischer und emotionaler Faktoren. Nach der Geburt eines Kindes begibt sich der Hormonhaushalt wie zu Beginn einer Schwangerschaft auf eine Achterbahnfahrt. Östrogen- und Progesteron-Spiegel sinken sehr schnell ab. Diese Veränderungen im Hormonhaushalt können Stimmungsschwankungen auslösen und ein emotionales Erleben hervorrufen, das für die Frau überwältigend und schwer zu handhaben ist.

Als eine weitere Ursache für die Wochenbettdepression wird der fast zwangsläufige Schlafmangel angesehen, der mit der Pflege eines Neugeborenen einhergeht. Man weiß, dass chronischer Schlafmangel und mangelnde Schlafqualität zu depressiven Symptomen und chronischen Erschöpfungszuständen führen.

Ebenfalls zur Entwicklung einer postpartalen Depression beitragend ist die Sorge um das Neugeborene und der psychische Druck, alles richtig und ja nichts falsch zu machen, gerade wenn es sich um das erste Kind handelt.

Und nicht zuletzt ist eine Geburt und die erste Zeit nach der Geburt eine stressbeladene Zeit, die auch erhöhte Herausforderungen innerhalb der Partnerschaft stellt. Das Sexualleben leidet, es bleibt wenig Zeit für die Eltern selbst, und gerade bei jungen Menschen stellt sich nach der Geburt des ersten Kindes ein Art Sinnkrise ein, denn plötzlich ist man Mutter oder Vater und so ganz generell Erwachsener.

Risikofaktoren für die Ausbildung einer postpartalen Depression

Grundsätzlich kann jede Frau eine Wochenbettdepression entwickeln. Es gibt jedoch einige Risikofaktoren, welche die Wahrscheinlichkeit einer postpartalen Depression erhöhen. Das sind unter anderem:

  • Eine bestehende Depression oder bipolare Persönlichkeitsstörung
  • Eine frühere depressive oder bipolare Erkrankung
  • Wenn ein nahes Familienmitglied von einer Depression betroffen ist
  • Belastende Ereignisse während der Schwangerschaft oder Geburt, wie z.B. Job-Verlust, der Tod eines nahestehenden Menschen, Krankheit, häusliche Gewalt oder Probleme in der Partnerschaft
  • Eine Frühgeburt oder Komplikationen während der Geburt
  • Wenn das Kind mit einer Behinderung geboren wird
  • Alkohol- oder Drogenmissbrauch
  • Mangelnde Unterstützung im sozialen Umfeld, durch die Familie oder den Partner
  • Wenn die Schwangerschaft ungewollt ist und das Kind eher als Belastung angesehen wird

Postpartale Depression Behandlung

Wird eine postpartale Depression jenseits des Babyblues nicht behandelt, kann sie unter Umständen mehrere Monate bis hin zu einem halben Jahr andauern. Manche Symptome können selbst über diesen Zeitraum hinaus bestehen bleiben und zur Ausbildung einer endogenen oder chronischen Depression beitragen.

Wie auch bei anderen Formen von Depressionen stehen grundsätzlich zwei Behandlungsoptionen zur Verfügung, einerseits eine Psychotherapie, andererseits die Einnahme von Antidepressiva.

In der Therapie haben sich sowohl Gesprächstherapie als auch die kognitive Verhaltenstherapie als hilfreich erwiesen. Bei letzterer lernt die Betroffene im Gespräch mit dem Therapeuten, ihre Gedanken und Gefühle einzuordnen und sich nicht von diesen überwältigen zu lassen. Eine weitere sich anbietende Therapieform ist die interpersonelle Psychotherapie, die dabei hilft, problematische persönliche Beziehungen zu verstehen und zu bearbeiten. Gruppentherapeutische Elemente und der Besuch einer passenden Selbsthilfegruppe können die Wirksamkeit der Therapie weiter erhöhen.

Bei der Einnahme von Antidepressiva muss mit dem Arzt genau abgeklärt werden, welches Medikament in welcher Dosis angebracht ist, da immer die Gefahr besteht, dass die Wirkstoffe über die Muttermilch an das Baby weitergegeben werden. Von den im Zusammenhang mit stillenden Frauen häufiger untersuchten Antidepressiva haben zum Beispiel der selektive Serotonin-Wiederaufnahmehemmer Sertralin und das trizyklische Antidepressivum Nortriptylin keine negativen Auswirkungen auf den Säugling gezeigt, während vom selektiven Serotonin-Aufnahmehemmer Fluoxetin Abstand gehalten werden sollte.

Dauer einer postnatalen Depression

Wie zuvor erwähnt, ist die postnatale oder postpartale Depression meistens eine vorübergehende Erkrankung, die im Regelfall nach einigen Wochen oder Monaten wieder abklingt. Bei der Hälfte aller betroffenen Frauen verschwindet die Depression innerhalb der ersten drei Monate nach der Geburt. Bei einem kleinen Anteil Frauen kann die Depression aber auch für mehrere Jahre anhalten oder sich gar zu einer chronischen Depression oder Major Depression entwickeln.

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