Was ist ein Soziopath? Was ist der Unterschied zwischen Soziopath und Psychopath?

Soziopathen und Psychopathen sind beides Menschen mit antisozialer Persönlichkeitsstörung. Aber was unterscheidet sie?

Was ist ein Soziopath? Was ist der Unterschied zwischen Soziopath und Psychopath?

Die Begriffe Soziopath und Psychopath werden in der Umgangssprache häufig synonym verwendet. Und in der allgemeinen Vorstellung sind das meist recht gefährliche Menschen, Menschen ohne Skrupel, ohne Mitgefühl, die sich weder um gesellschaftliche Normen, noch Gesetze, noch das Wohl ihrer Mitmenschen kümmern. Darüber hinaus sind sie auch noch verrückt, gefährlich verrückt. Der Serienmörder aus dem Fernsehkrimi – das Stereotyp eines Psychopathen oder Soziopathen.

Entgegen der allgemeinen Vorstellung sind Soziopath und Psychopath heutzutage eher keine offiziellen klinischen Diagnosen mehr. Sie beschreiben auch nicht das gleiche Phänomen. Gleichwohl kann man sagen, dass beide viele Eigenschaften miteinander teilen und die archetypische Vorstellung bezüglich ihrer Gefährlichkeit für andere Menschen auch einen faktischen Kern besitzt.

Test auf psychopathische Tendenzen

Test auf soziopathische Tendenzen

Antisoziale Persönlichkeitsstörung

Soziopathie und Psychopathie stehen stark im Zusammenhang mit der antisozialen bzw. dissozialen Persönlichkeitsstörung. In der Tat finden sich auch Meinungen, dass Soziopath und Psychopath nur Ausdrücke für zwei der drei Unterarten der antisozialen Persönlichkeitsstörung sind.

Was macht diese Persönlichkeitsstörung aus? Zum einen zählt sie zur Gruppe der dramatisch-emotionalen Persönlichkeitsstörungen, neben Borderline, narzisstischer Persönlichkeitsstörung und histrionischer Persönlichkeitsstörung. Im Englischen spricht man auch von Cluster B-Störungen. Ihnen gemein ist eine mangelnde Impulskontrolle. Denken, Fühlen und Handeln erscheinen oft überspitzt, übermäßig dramatisch und davon Betroffene haben ein Problem, sich selbst in ihrem Verhältnis zur Welt und zu anderen Menschen adäquat zu verorten.

Menschen mit antisozialer bzw. dissozialer Persönlichkeitsstörung zeichnen sich dadurch aus, dass sie keinen Respekt vor sozialen Normen und Gesetzen haben. Sie sind z.B. sehr viel stärker in Gefahr, kriminelle Handlungen zu begehen.

Sie neigen zu leichtsinnigem, impulsivem Verhalten und nehmen wenig Rücksicht auf das Wohl anderer Menschen, aber auch häufig auf das eigene Wohl. Es mangelt ihnen an Reue und häufiges Lügen, Täuschen, Betrügen, Manipulieren sind typische Verhaltensweisen.

Es mangelt ihnen zudem an Mitgefühl. Das heißt nicht, dass sie komplett gegenüber dem Erleben anderer Menschen sind. Auf ihre Weise können sie sogar sehr gut verstehen, was in ihrem Gegenüber vorgeht. Nur besteht ein großer Unterschied darin, ob ich rein faktisch erkenne, wie sich ein anderer Mensch fühlt, und darin, ob ich diese Gefühle teile – ob ich sie mitfühle. In der fiktionalen Literatur und in Filmen sind Soziopathen und Psychopathen doch gerade Menschen, die sich sehr gut in den Anderen hineinversetzen können, das aber nur, um daraus noch effektivere Methoden des Manipulierens und Ausnutzens abzuleiten. Sie verstehen, aber fühlen nicht.

Man geht davon aus, dass ungefähr drei Prozent der Gesamtbevölkerung an einer antisozialen Persönlichkeitsstörung leiden. Während sich die Störung im Großteil der Fälle schon im frühen Kindes- bis Jugendalter ausbildet, sind ihre Symptome am stärksten sichtbar, wenn der Betroffene in seinen frühen 20iger Jahren ist. Wie auch bei anderen Persönlichkeitsstörungen scheint sich die Ausprägung, die Schwere der Symptome mit zunehmendem Alter abzuschwächen. Sie sind besonders stark im Alter von 20 bis 30 und haben signifikant abgenommen, wenn die 40 überschritten sind.

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Unterschied zwischen Soziopath und Psychopath

Wenn man den Unterschied zwischen Soziopath und Psychopath auf einen Punkt herunterbrechen will, dann ist es am ehesten der, dass Psychopathen Soziopathen sind, die sich unter Kontrolle haben. Lax gesagt: Den Soziopathen findet man eher im Gefängnis und den Psychopathen eher in der Geschäftsführung einer Bank.

Der Soziopath handelt oft aus dem Affekt heraus. Er folgt seinen teils starken Impulsen. Er fühlt sich leicht beleidigt, herabgewürdigt, falsch behandelt und wird schnell von Wut übermannt. Er plant seine Aktionen eher wenig und wenn er kriminell wird, ist das häufiger eine spontane Aktion und weniger der sorgfältig geplante Jahrhundertcoup. Dementsprechend sind Soziopathen innerhalb der Gruppe der Gefängnisinsassen merklich stärker vertreten als in der Normalbevölkerung.

Ein anderer Unterschied zwischen Soziopath und Psychopath ist der, dass ein Soziopath eher; wenn man das so ausdrücken kann; nicht glücklich mit seiner Situation ist. Er würde gerne fähig sein, echtes Mitgefühl zu haben. Er würde gerne engere Bindungen zu anderen Menschen haben, eine berufliche Karriere, Freunde, einen Partner, ein halbwegs normales Leben. Tatsächlich kann ein Soziopath anders als ein Psychopath auch in der Lage sein, Schuld zu fühlen und Bedauern für die Folgen seiner Handlungen.

Der Soziopath passt am ehesten zum impulsiv-feindseligen Subtyp der antisozialen Persönlichkeitsstörung. Er besitzt eine geringe Frustrationstoleranz, bei der Handlungen anderer schnell als negativ, als Beleidigung, Bedrohung oder Übervorteilung interpretiert werden, was zu Wutausbrüchen und aufgrund seiner eingeschränkten Impulskontrolle zu dementsprechenden aggressiven Verhaltensweisen führt.

Der Psychopath hingegen scheint in seiner Rolle aufzugehen. Er kann sehr charmant sein, beruflichen Erfolg haben und ein soziales Umfeld pflegen. Es ist nicht ausgeschlossen, dass ein Psychopath verheiratet ist und Kinder hat. Er kann sehr gut funktionieren. Er kann sehr gut mit Menschen umgehen und gutes Verständnis für deren inneres Erleben haben. Nur eben, dass er nur versteht, aber nicht mitfühlt, und daher all diese sozialen Interaktionen nur darauf abzielen, bessere Lügen zu lügen und sich einen Vorteil zu verschaffen. Und man muss kein Marxist sein, um zu verstehen, warum so jemand in einer kapitalistischen Wettbewerbsgesellschaft tatsächlich einen Vorteil haben kann, wenn es um beruflichen Erfolg geht.

Der Psychopath stimmt am ehesten mit dem instrumentell-dissozialem Untertyp der antisozialen Persönlichkeitsstörung überein. Dieser Typ ist in erster Linie an materiellen Werten und an Macht interessiert. Er hat ein ausgeprägtes Selbstvertrauen und Anspruchsdenken - etwas, das ihn in die Nähe der narzisstischen Persönlichkeitsstörung rückt.

Sind alle Psychopathen erfolgreich? Mitnichten! So wenig wie alle Soziopathen kriminelle Versager sind. Studien zum Phänomen des sogenannten Arbeitsplatzpsychopathen gehen davon aus, dass der Unterschied zwischen einem erfolgreichen und einem erfolglosen Psychopathen maßgeblich im sozialen Niveau seines Elternhauses und in seinem IQ begründet liegt, also gar nicht so sehr anders als bei der Normalbevölkerung.

Sind Psychopathen glücklich? Vielleicht. Die antisoziale Persönlichkeitsstörung zeigt eine hohe Komorbidität mit anderen psychischen Erkrankungen wie Depressionen, Angststörungen oder anderen emotional-dramatischen Persönlichkeitsstörungen. Betroffene neigen zudem deutlich häufiger zu Drogen- und Alkoholmissbrauch, was noch einmal seine eigenen Probleme für den Alltag mit sich bringt. In der Tat aber ist der Leidensdruck bei einem Psychopathen deutlich geringer als bei einem Soziopathen.

Gleichzeitig muss darauf hingewiesen werden, dass eine psychische Störung oder eine Persönlichkeitsstörung ein Spektrum von Symptomen umfasst, die bei jedem Betroffenen anders ausgeprägt sein können, mal schwächer, mal stärker und manchmal sind bestimmte Symptome auch gar nicht vorhanden.

Wie häufig sind Soziopathen und Psychopathen?

Zahlen zur Häufigkeit des Auftretens von Soziopathen und Psychopathen sind immer mit Vorsicht zu genießen. Beides stellen ein Spektrum von Denk- und Verhaltensmustern dar, die in unterschiedlicher Ausprägung auftreten können und je nach Studie oder Definition kann die Grenze zwischen dem, was noch als normal angesehen wird, und einer Störung unterschiedlich verortet sein.

Ein weiterer Punkt, der zur Vorsicht gebietet, ist der, dass Symptome von Persönlichkeitsstörungen nicht so eindeutig zuordenbar sind, wie manch einer glauben mag. Z. B. kann man in Grenzfällen davon ausgehen, dass eine Frau bei den gleichen Symptomen eher mit einer Borderline-Persönlichkeitsstörung diagnostiziert wird, während bei einem Mann eher narzisstische oder dissoziale Persönlichkeitsstörung in Betracht gezogen wird.

Übliche Schätzungen gehen davon aus, dass ungefähr ein Prozent der männlichen Bevölkerung die Kriterien für Psychopathie erfüllt. Über alle Studien hinweg schwankt dieser Wert zwischen 0,2 % bis hin zu knapp unter vier Prozent.

In der Geschlechterfrage geht man davon aus, dass Männer ungefähr in einem Verhältnis von eins zu sechs häufiger betroffen sind als Frauen.

In bestimmten Berufsfeldern und sozialen Gruppen kann sich die Häufigkeit für Psychopathen oder Soziopathen erhöhen. So fand eine australische Studie unter Angestellten des mittleren und gehobenen Managements, dass beinahe sechs Prozent der Studienteilnehmer den Kriterien für Psychopathie entsprachen. Oder eine Studie unter us-amerikanischen Gefängnisinsassen befand, dass sogar 15 bis 20 Prozent der Insassen die Kriterien für Soziopathie einschließlich Psychopathie erfüllt.

Ursachen von Soziopathie und Psychopathie

Wie bei allen Persönlichkeitsstörungen gibt es eine Vielzahl möglicher Gründe, warum jemand eine antisoziale Persönlichkeitsstörung ausbildet, und es ist immer noch stark im Dunkeln, warum von zwei Menschen den gleichen Bedingungen der eine eine Persönlichkeitsstörung entwickelt, der andere aber nicht.

Zum einen zeigen sich physiologische und neurobiologische Unterschiede zwischen Betroffenen und Nicht-Betroffenen, zum Beispiel in einer Unterentwicklung von Gehirnarealen, die mit Impulskontrolle und Mitgefühl assoziiert sind. Ob diese Resultat oder Ursache sind, ist nicht vollständig geklärt.

Häufig findet sich bei Soziopathen und Psychopathen ein schwieriges Umfeld in ihrer Kindheit, insbesondere psychische und physische Gewalt und Vernachlässigung. Ebenso haben Kinder von Alkoholiker ein erhöhtes Risiko und Kinder, bei denen im frühen Kindesalter eine Verhaltensstörung wie eine Aufmerksamkeitsdefizitstörung aufgetreten ist.

Weiterhin scheint es eine genetische Komponente zu geben. Ein Kind, in dessen naher Verwandtschaft eine derartige Störung aufgetreten ist, hat statistisch eine höhere Wahrscheinlichkeit, ebenfalls diese Störung auszubilden.

Die Mehrzahl der Betroffenen ist männlich. Auf eine Frau kommen ungefähr sechs Männer. Im Großteil der Fälle manifestiert sich die Störung schon im frühen Kindes- oder Jugendalter. Bei etwa 80 % der Betroffenen zeigen sich erste klare Symptome vor dem 11ten Lebensjahr.

Behandlungsmöglichkeiten

Wenn es um die Behandlung von Soziopathen und Psychopathen geht, haben Betroffene und die sie behandelnden Therapeuten mit mehreren Hürden zu kämpfen. Einerseits ist das Problem aller Persönlichkeitsstörungen, die mangelnde Einsicht in die eigene Erkrankung, noch einmal stärker ausgeprägt. Für den Betroffenen ist sein Denken und Verhalten in gewisser Weise normal.

Verstärkend kommt hinzu die spezielle Natur der zugrunde liegenden antisozialen Persönlichkeitsstörung. Es fällt dem Betroffenen schlichtweg schwer, einen Therapeuten als Helfer und Autorität anzusehen und nicht als nur ein weiteres Opfer, das es zu manipulieren gilt.

Wenn sich jemand in Therapie begibt, dann handelt es sich dabei um einen langen Prozess, der sich über mehrere Jahre oder auch ein ganzes Leben hinziehen kann. Therapieform der Wahl ist dabei meist die Gesprächstherapie. Da das Ändern von Überzeugungen und Denkmustern ein langwieriges Unterfangen ist, liegt das Augenmerk zunächst darauf, dem Betroffenen Techniken zu vermitteln, weniger impulsiv zu agieren und von Handlungen Abstand zu nehmen, die ihm oder anderen Menschen schaden. Man kann niemandem über Nacht echtes Mitgefühl beibringen, dafür aber wie man Gesetze befolgt und Menschen nicht verletzt.

Unter Umständen können auch Medikamente verschrieben werden, um Stimmungsschwankungen, Wutausbrüche, Depressionen, Angstzustände, usw. des Betroffenen zu mildern und damit daraus resultierendes, schädliches Verhalten zu vermeiden. Für die Persönlichkeitsstörung selbst gibt es kein Medikament, denn über lange Zeit antrainierte Denk- und Verhaltensmuster können nur über ein Neu-Erlernen und Antrainieren gesünderer Muster bewältigt werden.