Zwangsstörung – Symptome, Anzeichen und Behandlung

Wenn du nicht aufhören kannst, bestimmte Gedanken zu denken oder Handlungen auszuführen, und dein Leben dadurch leidet, dann hast du eventuell eine Zwangsstörung.

Zwangsstörung – Symptome, Anzeichen und Behandlung

Zwangsstörungen sind eine psychische Erkrankung. Menschen mit Zwangsstörungen haben entweder zwanghafte Gedanken oder neigen zwanghaft zu bestimmten, sich wiederholenden Verhaltensweisen.

Ein von einer Zwangsstörung Betroffener ist sich oft bewusst über die Unsinnigkeit oder die Zwanghaftigkeit seiner Gedanken oder Handlungen, kann ihnen aber auch oft nicht viel entgegensetzen. Zwangsgedanken und Zwangshandlungen sind schwer zu unterdrücken und beanspruchen eine beträchtliche Menge an Zeit und Energie, was sich negativ auf privates wie berufliches Leben auswirkt.

Symptome einer Zwangsstörung

Eine Zwangserkrankung kann unterschiedliche Symptome aufweisen, je nachdem wie stark der Anteil an zwanghaftem Denken im Verhältnis zu zwanghaften Handlungen ist. Manche Betroffene neigen stark zu Zwangsgedanken, während andere mehr zu Zwangshandlungen neigen.

Zwangsgedanken

Zwangsgedanken sind Ideen, Bilder und Reize, die in stereotyper Form immer wieder in den Kopf des Betroffenen gelangen. Sie sind fast immer von beunruhigender Natur und der Betroffene versucht oft, ihnen zu widerstehen, obgleich meist erfolglos. Diese Gedanken werden aber als eigene Gedanken erkannt. Es sind nicht die berühmten Stimmen im Kopf, wie sie bei anderen Erkrankungen vorkommen.

Typische Themenfelder von Zwangsgedanken sind:

  • Die Angst oder Sorge, mit Schmutz, Keimen, klebrigen Substanzen oder Chemikalien (z. B. Haushaltsreiniger) in Berührung zu kommen, oder krank zu werden oder andere krank zu machen, nachdem sie "schmutzige" oder "kontaminierte" Gegenstände berührt haben.
  • Die Angst, sich selbst oder anderen durch Nachlässigkeit zu schaden.
  • Das starke Bedürfnis nach Perfektion. Ein Kind mit Zwangsstörung kann z. B. eine Hausarbeit nicht abgeben, solange es nicht das Gefühl hat, dass sie absolut perfekt ist.
  • Sexuelle Obsession mit wiederkehrenden Gedanken von als verstörend empfundenen Sexualpraktiken oder die entgegen den eigenen sexuellen Neigungen stehen.
  • Der Zwang, im Alltagsleben Dinge zu zählen.

Zwangshandlungen

Handlungen ähneln Ritualen, die immer in exakt der gleichen Weise ausgeführt werden müssen. Man ist sich der Unsinnigkeit der Handlung bewusst, kann aber nichts dagegen tun, da andernfalls Angstgefühle und große emotionale Spannungen auftreten.

Typische Zwangshandlungen sind:

  • Der Zwang, Dinge in einer bestimmten Weise zu ordnen, z. B. nach Größe oder Farbe. Sind die Dinge in „Unordnung“ kann sich das sehr unangenehm anfühlen. Bei manchen Menschen verursacht das zudem eine Angst, dass etwas Schlimmes passieren wird.
  • Der Zwang, ständig zu überprüfen, ob Dinge in Ordnung sind. Z. B. kann es einem Betroffenen schwer fallen, die Wohnung zu verlassen, weil er auf seinem Weg immer wieder den Zwang verspürt, nachzuprüfen, ob alle Herdplatten tatsächlich aus sind, oder ob die Haustür auch wirklich verschlossen ist.
  • Der Zwang nach Sauberkeit, der sich z. B. in ständigem Händewaschen oder übertrieben häufigem Reinigen der Wohnung äußert. Der Reinlichkeitszwang ist eng verbunden mit der zwanghaften Angst vor Verunreinigung und Krankheit. Betroffene vermeiden z. B. Getränke oder Besteck mit anderen Menschen zu teilen. Oder sie meiden öffentliche Toiletten, Fitnessstudios und Sportanlagen.
  • Der Zwang, bestimmte Dinge entweder zu berühren oder sie auf keinen Fall zu berühren.
  • Das zwanghafte Wiederholen von Ausdrücken oder Melodien.

Zusammenhang mit anderen Krankheiten

Eine Zwangsstörung tritt häufig im Verbund mit anderen psychischen Störungen auf. Dazu zählen insbesondere Depressionen, generalisierte Angsstörung, bipolare Depression, Essstörungen, Autismus und das Tourette-Syndrom.

Ursachen einer Zwangserkrankung

In der Mehrzahl entwickelt sich eine Zwangsstörung im frühen Jugendlichen- und Erwachsenenalter. In fast der Hälfte aller Fälle treten die Symptome vor dem Erreichen des 20sten Lebensjahres auf und es ist eher ungewöhnlich, wenn auch nicht unmöglich, dass sich eine Zwangsstörung erstmals nach dem 35. Lebensjahr ausbildet.

Man geht davon aus, dass etwa 2% der Bevölkerung mindestens einmal in ihrem Leben an einer Zwangserkrankung leidet.

Wie bei vielen psychischen Erkrankungen, sind die Ursachen für die Ausbildung von Zwangsstörungen nicht vollständig geklärt. Man geht davon aus, dass verschiedene Faktoren begünstigend für eine Erkrankung sind. Und dass eine Zwangsstörung wahrscheinlich das Ergebnis einer Kombination von neurobiologischen, genetischen, verhaltensbedingten, kognitiven und Umweltfaktoren ist…

  • Genetik: Studien mit Zwillingen und Familien haben gezeigt, dass die Wahrscheinlichkeit für eine Zwangserkrankung höher ist, wenn ein naher Verwandter ebenfalls daran erkrankt ist. Es gibt also eine genetische Komponente. Wie stark ihr Einfluss ist, ist noch unbekannt. Weiterhin deuten Studienergebnisse darauf hin, dass Zwangsstörungen und bestimmte damit zusammenhängende psychiatrische Störungen mit einer ungewöhnlichen Mutation des menschlichen Serotonin-Transportergens verbunden sein können.
  • Neurobiologie: Von einer Zwangserkrankung betroffene Menschen zeigen häufig eine veränderte Hirnstruktur im Bereich der Basalganglien, die mit einer Vielzahl von Funktionen assoziiert sind, unter anderem mit prozeduralem Lernen, dem Erlernen von Gewohnheiten, der Kontrolle von motorischen Bewegungen, Augenbewegungen, Kognition und Emotion. Zudem weist der Behandlungserfolg mit selektiven Serotonin-Wiederaufnahmehemmern darauf hin, dass eine Störung des Serotonin-Stoffwechsels im Gehirn mit einer Zwangsstörung einhergeht.
  • Frühkindliche Traumata: Das Erleben von körperlichem oder sexuellem Missbrauch in jungen Jahren erhöht das Risiko, eine Zwangsstörung zu entwickeln.
  • Streptokokken-Infektion als Kind: Eine im Kindesalter durch Streptokokken-Bakterien ausgelöste Infektion scheint das Risiko für die spätere Ausbildung einer Zwangsstörung zu erhöhen.

Behandlung von Zwangserkrankungen

Die Behandlung von Zwangsstörungen ähnelt der von Angststörungen und depressiven Erkrankungen.

Zum einen können Medikamente aus der Gruppe der Serotonin-Wiederaufnahmehemmer zu einer Milderung der Symptome führen.

Zum anderen hat sich kognitive Verhaltenstherapie als wirksame Therapieform bewährt. Dabei kommt eine spezielle Technik zum Einsatz, bei der der Betroffene lernt, sich bewusst Situationen anzunähern, die zwanghaftes Denken oder Verhalten auslösen, ohne aber seine übliche Zwangshandlungen auszuführen. So lernt man Schritt für Schritt, den Stress und die Ängste zu tolerieren, die mit der Nichterfüllung des rituellen Zwangsverhaltens verbunden sind.

Im Bereich des zwanghaften Denkens lehrt die kognitive Verhaltenstherapie Techniken, wie man sich nicht von seinen eigenen Gedanken überwältigen lassen kann, wie man ihnen sachlich widerspricht und sie auf eine realistische, rationale Ebene bringt.