Wenn Antidepressiva als Nebenwirkung zu trockenem Mund führen

Eine weniger beachtete, aber häufig auftretende Nebenwirkung von Antidepressiva ist Mundtrockenheit.

Wenn Antidepressiva als Nebenwirkung zu trockenem Mund führen
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Eine weniger beachtete, aber häufig auftretende Nebenwirkung von Antidepressiva ist Mundtrockenheit, also eine Hemmung des Speichelflusses. Am häufigsten tritt diese Nebenwirkung bei trizyklischen Antidepressiva auf, seltener bei Serotonin-Wiederaufnahmehemmern, aber auch hier ist über ein Zehntel der Patienten betroffen.

Anhaltende Mundtrockenheit ist nicht nur unangenehm und kann schnell schlecht riechen, sondern es stellt in erster Linie eine Gefahr für die Zahn- und Mundgesundheit dar. Es kann zu Zahnfleischerkrankungen kommen, zu Zahnfleischschwund, Karies, Aphthen (kleine weiße Pickel im Mundraum) oder sogar eine großflächige Pilzinfektion.

Die durch Antidepressiva verursachte Hemmung der Speichelproduktion kann unter Umständen für Monate anhalten, sogar ein ständiger Begleiter bleiben. Man sollte es daher ernst nehmen als Gefahr für die eigene Gesundheit und nicht nur als "kosmetisches" Problem abtun.

Wozu dient Speichel?

Eine konstante Befeuchtung der Mundhöhle unterstützt Alltagsfunktionen wie Schlucken, Sprechen und sogar das Riechen. Beim Kauen wird die Nahrung mit Speichel durchsetzt, was den daraus entstehenden Brei leichter schluckbar und verdaubar macht. Enzyme im Speichel unterstützen zudem die Verdauung, z. B. die Aufnahme von Vitamin B12.

Speichel enthält verschiedene Proteine, die zum Immunsystem des Körpers beitragen. Man sagt auch, dass die Mundhöhle eine der ersten Verteidigungsbastionen des menschlichen Immunsystems darstellt, weil sie direkt mit der Außenwelt in Kontakt steht und durch die Nahrungsaufnahme auch ständig mit Viren, Bakterien und Giften aller Art in Kontakt kommt.

Speichel trägt zum Beispiel dazu bei, dass sich kleine Verletzungen in der Mundhöhle, die man selbst oft gar nicht bemerkt, nicht entzünden und dass sie schneller verheilen. Andere Stoffe wie Kalzium und Fluorid tragen zur Remineralisierung und Erhalt des Zahnschmelzes bei.

Welche Risiken bestehen bei anhaltender Mundtrockenheit?

Pro Tag produziert der menschliche Körper bis zu anderthalb Liter Speichel. Ist dieser Vorgang gestört, ist das nicht nur unangenehm, sondern auch ein Risiko für die Gesundheit. Unangenehm ist z. B., dass Betroffene oft mit einem sehr trockenen Mund in der Nacht aufwachen und etwas trinken müssen. Das Atmen und Schlucken fällt schwerer. Die Zunge klebt. Anekdotisch berichten viele Betroffene, dass sie häufiger schnarchen, was der Schlafqualität auch wenig zuträglich ist. Am Morgen wachen sie mit einem sehr schlechten Geschmack im Mund auf und der oft verstärkt auftretende Mundgeruch stellt ein generelles Problem für das Sozialleben dar.

Hält die Mundtrockenheit länger an, besteht ein deutlich erhöhtes Risiko für Kariesbildung. Oft macht sich auch sehr schnell das Zahnfleisch mit Beschwerden bemerkbar. ES fühlt sich entzündet an und wird gerade durch harte Nahrung stärker gereizt. Das Risiko für Zahnfleischschwund und Zahnhalskaries steigt. Ebenfalls erhöht ist das Riskiko einer Kandidose, einer Infektion mit einem Pilz, die sich in der Mundhöhle ausbreitet.

Was kann man gegen Mundtrockenheit tun?

Mundtrockenheit gehört zu den Nebenwirkungen, von denen häufiger berichtet wird, dass sie nicht nach einer gewissen Weile von allein verschwinden. Hat man das Pech, davon betroffen zu sein, sollte man sich auch Gedanken über einen langfristigen Umgang damit machen, gerade in Hinblick auf die erhöhte Gefahr für Karies und Zahnfleischerkrankungen.

Künstlicher Speichel: In der Apotheke erhält man frei verkäuflich eine Art künstlichen Speichels, wie er auch in der Intensivmedizin verwendet wird. Das ist meist ein Spray, das verschiedene chemische Komponenten enthält, die zumindest einen Teil der Aufgaben von echtem Speichel übernehmen.

Viel trinken: Es erklärt sich von selbst, dass man möglichst häufig etwas trinken sollte, am besten Wasser, um den Mund feucht zu halten.

Kaffee, starke Tees, Salziges, Alkohol und sehr Süßes vermeiden: All diese Dinge tragen zur Austrocknung des Mundes bei.

Mit dem Rauchen aufhören: Rauchen trocknet den Mund aus und bringt von sich aus ein erhöhtes Risiko für Karies und Zahnfleischerkrankungen mit sich. Ist die Nikotinsucht stärker als du, probier auf E-Zigaretten umzusteigen.

Drogen meiden: Wer Antidepressiva einnimmt, ist generell ein Mensch, der sich fernab aller Drogen halten sollte, was auch jede Form des Kiffens beinhaltet. Da die Wirkung von Freizeitdrogen darauf basiert, in den Neurotransmitterhaushalt einzugreifen, kann es zu Interaktionen mit dem Antidepressiva kommen, oder von ganz allein deine psychischen Probleme vergrößern. Sehr viele Drogen haben ebenfalls die Nebenwirkung, die Speichelproduktion zu unterdrücken.

Zuckerfreie Kaugummis kauen: Das regt den Speichelfluss an. Aufpassen solltest du, dass sie auf jeden zuckerfrei sind, um nicht noch mehr zum Kariesrisiko beizutragen. Auch bedenken solltest du, dass Süßstoffe wie Aspartam oder Erythrit in größeren Mengen blähend und abführend wirken. Bist du dafür anfällig, findest du in Biomärkten und mittlerweile auch vielen normalen Supermärkten Kaugummis mit Stevia als Süßstoff. Dieser ist nicht kariesfördernd und wird von den meisten Menschen gut vertragen, auch wenn der Geschmack nicht jedem zusagt.

Durch die Nase atmen: Wenn es geht, atme durch die Nase und halte den Mund geschlossen. Probier dabei auch, immer etwas Speichel in deinem Mund zu sammeln.

Raumbefeuchter kaufen: Wo es möglich ist, erhöhe die Luftfeuchtigkeit mit einem Raumbefeuchter. Im Schlafzimmer kann dir das beim Durchschlafen helfen, gerade in der Winterzeit, wenn die Raumluft durch das fortwährende Heizen deutlich trockener ist als zu wärmeren Jahreszeiten. Im Sommer hingegen, falls du eine Klimaanlage besitzt, ist es besser, diese so wenig wie möglich anzuschalten. Es gibt Modelle mit integriertem Luftbefeuchter, aber die meisten Modelle produzieren einfach nur eine Menge kalte, trockene Luft.

Falls das Problem zu schwerwiegend wird oder zu lange anhält, sprich mit deinem Arzt, ob es möglich ist, die Dosis deines Antidepressivums zu verringern oder ein anderes Medikament auszuprobieren, das evtl. weniger Probleme bereitet. Zudem gibt es verschiedene Medikamente, die die Speichelproduktion anregen.

Um die Auswirkungen auf die Zahngesundheit so gering wie möglich zu halten:

  • Täglich mindestens zweimal die Zähne putzen und Zahnseide oder Dentalbürsten verwenden. Aber auch nicht zu oft putzen und auf eine gute Putztechnik achten, um das Zahnfleisch nicht unnötig zu reizen oder gar zu verletzen. Über den Tag verwendest du besser Mundspülungen, falls du das Gefühl hast, dass dein Mund sich unsauber anfühlt, was oft mit Mundtrockenheit kommt.
  • Alle 3 bis 6 Monate zur Zahnarztuntersuchung gehen und dem Arzt auch von der Mundtrockenheit berichten, da er dann z. B. eine Fluoridbehandlung und andere Maßnahmen vorschlagen kann, um die Zähne noch besser zu schützen.

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